Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Kerbhölzer und Kaveln . 
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sind im Laufe der Zeit Anfangsbuchstaben der Personennamen üblicher geworden und damit ihre altertümlichen Werte geschwunden . Abb . 6 gibt ein Bild solcher Holzanhänger mit Hausmarken von der Halbinsel Mönchgut aus unserer Sammlung1 ) . Gegen 1890 hat sie Ulrich Jahn in Mönchgut und Hiddensee gesammelt und die Hausmarken im Katalog der Sammlung für deutsche Volkskunde niedergelegt . Um sie nicht verloren gehen zu lassen , seien sie in Abb . 7 hier wiedergegeben2 ) . / 
Bei der Aufzählung der schwedischen Merkhölzer ist mehrfach das Wort kafvel begegnet . Es führt auf einen alten germanischen Gebrauch zurück , das Yerkaveln oder Verlosen durch gezeichnete Stäbchen3 ) . Kabel , nd . kavel bedeutet nach Grimm , D . Wb . 5 , 7 . 372 ein zugerichtetes Holzstück , gewöhnlich mit runenartigen Zeichen , der Hausmarke oder dem zuge des Besitzers versehen , welches zum Losen benutzt wurde , besonders zur Verteilung der Allmende für verschiedene Wirtschaftszweige . Daher heisst Kabel auch der ausgeloste Anteil , der einem zufällt . So wird noch an vielen Orten ehemaliger Gemeindebesitz an Wiesen als Kabeln oder Kaveln bezeichnet , weil die Reihenfolge der Benutzung des Ganzen oder der Teile durch die Verkavelung , d . i . Verlosung bestimmt wurde . Insofern als nun unsere Rügischen Hausmarkenhölzer ( Abb . 6 ) den zum Verlosen bestimmten Stäbchen entsprechen dürften , wie aus der von Homey er4 ) angeführten Sitte auf Hiddensee um 1853 erhellt , können sie mit Fug und Recht als Kaveln angesprochen werden , als Lose von ähnlicher Art , wie sie bereits bei Tacitus Germania c . 10 als den Germanen tümlich beschrieben worden sind . Übrigens werden auch im Dänischen die Holzstücke am Fischnetze kavle genannt ; im Schwedischen bedeutet kafle das oft mit Einkerbungen versehene Mangelholz , und im nordischen kafli = Teil oder Stück ist die ursprüngliche Bedeutung in Übereinstimmung mit dem neueren Brauche . 
Hausmarken aus Rügen , um 1890 gesammelt von Ulrich Jahn . 
1 ) Mönchguter Hausmarken v . 1595 in Baltisch . Studien 1853 Bd . 152 S . 166 und Homeyer a . a . 0 . Taf . XX ; von Hiddensee Homey er Taf . XLIII und S . 192 . 
2 ) Vgl . hierzu die von E . Friedel etwa um dieselbe Zeit in Mönchgut gesammelten Hausmarken , Pommersche Monatsblätter 4 , 67 und von R . Beltz ebd . 6 , 150 . 
3 ) Homeyer , Über das germanische Loosen , Abh . der Berliner Akademie 1853 . 
4 ) Haus - und Hofmarken S . 218 . 
I . Mönchgut . 
Thiesso w : 
7 . Martin Looks . 
8 . Heinrich Öhlert . 
1 . Carl Looks . 
2 . Ludwig " Westfal . 
3 . Jakob Wittmis . 
4 . Looks , früher Wittmis . 
5 . Johann Parchow . 
6 . Karl Klus . 
9 . Martin Looks . 
10 . Carl Looks I . 
11 . Jakob Looks . 
12 . Martin Looks . 
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