Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Notizen , 
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Welt des Apostels Paulus . — Auf dieses ungemein fesselnde Buch darf auch in unserer Zeitschrift mit Fug hingewiesen werden , weil daraus klar hervorgeht , wieviel die moderne Volkskunde zur Erhellung vergangener Zeiten und zum Verständnis historischer , ja historischer Persönlichkeiten beizutragen vermag . Indem der Vf . den grossen apostel in das Sonnenlicht der Mittelmeerwelt stellt und so liebevoll wie greifbar das Volk schildert , dem er entstammt , gewinnt er einen Schlüssel zur Seele des Paulus , wie ihn die theologische Wissenschaft bisher vergeblich gesucht hat . [ H . Michel . ] 
E . Devrient , Familienforschung ( 'Aus Natur und Geisteswelt' 350 . Bändchen ) . Mit 7 Abb . und 2 Tafeln . Leipzig , B . G . Teubner 1911 . 134 S . 1 , 25 Mk . — Trotz der geringen Berührungspunkte der Familienforschung mit der Volkskunde im engeren Sinne sei auf das Büchlein hingewiesen . Für die vielen , die sich heute mit der Familienforschung schäftigen , wie für die , welche in ihre Fragen und Ergebnisse eingeführt werden wollen , ist es ohne Zweifel ein zuverlässiger Führer . 
Die ersten deutsch en Eisenbahnen Nürnberg—Fürth und Leipzig — Dresden . Herausgegeben von Friedrich Schulze . 64 S . mit 19 Abb . ( Voigtländers Quellenbücher , Band 1 . ) Leipzig , R . Voigtländer 1912 . 0 , 60 Mk . — Oben 21 , 431 habe ich darauf hingewiesen , dass Friedrich Harkort vermutlich der erste gewesen ist , der das Wort 'Eisenbahn' in Deutschland gebraucht hat . Jetzt ist ein Teil des Aufsatzes , worin er das tut , abgedruckt in dem famosen Büchlein , dessen Zusammenstellung wir Friedrich Schulze verdanken und das die wichtigsten Quellenberichte aus der Frühzeit des bahnwesens in Wort und Bild weiteren Kreisen zugänglich macht . Wer noch nicht wusste , welche überragende Rolle in der Entwicklung des deutschen Eisenbahnwesens Friedrich List gespielt hat , wird es aus diesen Blättern klar erkennen . Zugleich ergibt sich , wie richtig Goethe prophezeit hat , wenn er im Oktober 1828 zu Eckermann sagte : „ Mir ist nicht bange , dass Deutschland nicht eins werde ; unsere guten Chausseen und künftigen Eisenbahnen werden schon das Ihrige thun . " [ H . Michel . ] 
E . Fehrle , Antiker Hagelzauber ( Alemannia 3 , 14 — 27 ) . — In der Form einer laufenden Erläuterung zu Kap . 1 , 14ff . des Sammelwerkes Geoponica , das , im 10 . hundert n . Chr . zusammengestellt , wertvolle Auszüge älterer landwirtschaftlicher Schriften enthält , werden folgende abergläubische Mittel zur Abwehr des Hagels besprochen und mit zahlreichen Beispielen aus dem Altertum und der Neuzeit belegt : 1 . Entblössung einer in der Menstruation befindlichen Frau . 2 . Anbringen eines mit dem Blut einer erstmalig menstruierenden Jungfrau befleckten Tuches . 3 . Aufhängen eines Riemens aus Seehundsfell an einem Weinstock . 4 . Anwendung eines Spiegels gegenüber der wolke . 5 . Anbringen einer Hyänen - , Krokodils - oder Seehundshaut auf dem gefährdeten Grundstück . 6 . Aufhängen von Schlüsseln . 7 . Anbringen von Stieren aus Holz auf den Häusern . 8 . Herumtragen einer lebendigen Schildkröte . 9 . Aufstellen der geweihten Abbildung einer Traube beim Untergang des Sternbildes der Leier . 10 . Hinlegen von Riemen aus Flusspferdhaut . 
G . Gragnier , Survivance du Culte Solaire dans les Coiffures Féminines en Bretagne , Auvergne , Savoie , Bourbonnais , etc . Paris , Champion o . J . 6 S . und 4 Taf . 1 , 50 fr . — Eine grosse Anzahl von weiblichen Kopfbedeckungen in den genannten Provinzen sind nach Ansicht des Vf . Symbolisierungen des Phallus , was nach seiner Ansicht unzweifelhaft auf einen in Urzeiten weitverbreiteten Sonnenkult schliessen lässt ! 
H . Halm , Volkstümliche Dichtung im 17 . Jahrhundert , I : Matthias Abele . Weimar , A . Duncker 1912 . VIII , 150 S . 8° . 3 Mk . ( Forschungen zur neueren Literaturgeschichte 40 ) . — Der 1651 mit einer Sammlung 'Seltsamer Gerichtshändel' auftretende Advokat Matthias Abele zu Steyr ( 1616—1677 ) gehört mit Guarinoni , Jan Rebhu , W . v . Willenhag und Abraham a S . Clara einer bisher von den Literarhistorikern wenig beachteten Gruppe österreichischer Schriftsteller des 17 . Jahrh . an , welche gelehrte und volkstümliche mente , zumeist in satirischer Absicht , miteinander verband und neben dem freilich viel reicheren Grimmelshausen als Quelle für das Volksleben jener Zeit studiert zu werden verdient . In seiner fleissigen und knapp das Wesentliche hervorhebenden Arbeit verbreitet Halm Licht über Abeles Leben und die von ihm benutzten gelehrten , lichen , volkstümlichen Quellenwerke , denen mündliche Tradition zur Seite tritt ; er sucht die sehr wechselnde Art ihrer Verwertung und die stilistischen Einflüsse Hars -
        

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