Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

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Schütte , König , Hertel : 
Es sind also deutsche Karten , die im Lande Braunschweig viel zum Skat , Wensch , Sechsundsechzig und anderen Spielen verwandt werden . Dabei ist die merkwürdige Tatsache erwähnenswert , dass man rechts der Oker fast nur mit deutschen , links von diesem Flusse fast nur mit französischen Karten spielt . Ich habe die sogenannten französischen Karten erst als Student in Leipzig kennen gelernt ; in meinem Geburtsorte Schöningen und in Helmstedt , wo ich das Gymnasium besuchte , wurde nur mit deutschen Karten gespielt . — Die erwähnten Verse finden sich auf der Eichelnzehn , - neun , - acht , - sieben , der Herzenneun , - acht und - sieben und lauten : 
Dis Karte und die Würfel sind zur Lust , 
Wer aber seine geizige Brust Hier innen nicht wohl weiss zu fassen , Der mag sein Spielen bleiben lassen . 5 Das Kartenspiel ist unverwehrt , Wo man zu rechter Zeit aufhört , Wer aber sitzt bis an den Morgen , Verspielt sein Geld und muss wohl borgen . 
Wer sich will in der Karte ergötzen , 10 Der muss sein Geld mit Lust zu setzen , Und nimmt er sich nicht wohl in Acht , So wird er billig ausgelacht . 
Spiele ja nicht in der Fremte , 
Sonst verlierst du Rock und Hemdte , 
Braun schweig . 
Leib und Ehre , Hab und Gut , 15 
Merke dies , du junges Blut . 
Dass Spieler doch so gerne fluchen , Wenn sie die gute Karte suchen . Das Spiel braucht Zeit und auch Geduld , 
Sonst kömmst du in die tiefste Schuld . 20 
Herren Gunst , Aprillen Wetter , 
Frauen Lieb und Rosen Blätter , Würfelspiel und Karten Glück Ändern sich alle Augen Blick . 
Wie die Farben in der Hand , 25 
So ist's auch mit uns bewandt . 
Drum so denke stets für Dich : 
Jetzund kömmt der letzte Stich . 
Otto Schütte . 
Zur Idee yon Ahasver , dem ewigen Juden . 
In seinem Aufsatz 'Zur Sage vom ewigen Juden' hat Herr Professor Neubaur ( oben S . 33ff . ) auch die Stellung berührt , die ich in meinem Schriftchen 'Ahasver , „ der ewige Jude " , nach seiner ursprünglichen Idee und seiner literarischen wertung betrachtet' zu dieser Frage einnehme . Aber seine darauf bezüglichen Sätze sind zu kurz , als dass meine Ansichten über diese Sache deutlich zur stellung hätten kommen können . Deshalb muss ich um die Erlaubnis bitten , meine Stellung zur Sache beleuchten zu dürfen . 
1 . Neubaur schreibt ( S . 33 f . ) , die Sage vom ewigen Juden sei nach mir 'eine Allegorie des jüdischen Volkes , die sich zu einer konkreten Einzelpersönlichkeit verdichtet habe' . Nun abgesehen davon , dass da 'die' anstatt 'das' gesetzt ist , habe ich in meinem Schriftchen es nicht unmittelbar mit dem ewigen Juden , sondern mit Ahasver zu tun . Also eine 'Auffassung von der Entstehung der Sage' ( S . 38 Anm . 4 ) selbst ist von mir nicht vorgetragen worden . 
2 . Das allerdings ist eine von mir ausgesprochene Meinung ( vgl . S . 38 ) , dass in dem Ahasverbuch von 1602 eine von Malchus , Buttadeus und Cartaphilus abhängige Gestalt dargestellt werden soll . Denn für die Selbständigkeit der Ahasvergestalt sprechen nicht wenige Gründe . Hier seien wenigstens zwei führt : Erstens ist Cartaphilus nach dem Bericht , den ein armenischer Erzbischof über diesen wesentlich in Armenien sich aufhaltenden Mann gegeben hat ( bei Roger von Wendower zum Jahre 1228 ) , als Christ getauft worden , während der
        

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