Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Kleine Mitteilungen . 
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2 . Mancher , der bis früh halb viere War auf irgend einem Ball , 
Oder auch bei Bairisch Biere , 
Der ist müd auf jeden Fall . Katzenjammer in der Kammer Wird ihn schrecklich plagen ; 
Ach , wie schwer wird sich der An die Arbeit wagen ! 
Doch es liegt der Zwang dahinter , Meister oder Prinzipal Ruft : Zur Arbeit rasch , ihr Kinder ! — - Gähnend singt er noch einmal : 
Ach . . . 
3 . Unsre lieben , schönen Mädchen Muß man auf dem Balle sehn , 
Wenn sie tanzend wie die Rädchen Sich mit ihren Liebsten drehn . 
Welche Lust , Brust an Brust 
So dahinzuschweben ! 
Bis zur Früh tanzen sie : 
Welch ein göttlich Leben ! 
Aber ist der Ball vorüber , 
Sitzen sie zu Hause dann , 
Lägen in dem Bette lieber , 
Jede fängt zu singen an : 
Ach . . . 
4 . Auch die Herrn vom Militäre Finden Spaß an diesem Witze . 
Ja , wenn's Exerziern nicht wäre , 
Noch dazu bei großer Hitze ! 
Naus marschieren , exerzieren , 
Achtung ! Rieht Euch ! Gott , wie matt ! Der Major tritt hervor : 
Diese Trägheit hab ich satt ! 
Doch da sagt ihm ganz bescheiden Einer , der es wagen darf : 
Herr Major , heut mit den Leuten Sei'n Sie doch nicht allzu scharf ! Ach sie sind so müde , 
Ach sie sind so matt , 
Möchten lieber schlafen gehn Als Exerziern und Schildwach stehn . 
5 . Ein hübsch Weibchen seufzet bang Des Abends still in sich hinein : Ach Gott , wie wird die Zeit mir lang , Mein Männchen läßt mich stets allein ! Ach , der sitzt , trinkt und schwitzt Bei Billard und Karten , 
Oder singt , trinkt und schlingt , 
Läßt sein Weibchen warten . 
Aber wart , du sollst es büßen ! 
Kommst du heute nur nach Haus , Und du willst mich zärtlich küssen , 
Rufe ich dann schläfrig aus : 
Ach . . . 
Dem gegenüber nun die volkläufigen Reime . Der Kehrreim allein in dem gebräuchlichen Wortlaut steht Lewalter und Schläger a . a . 0 . aus Kassel , oben 17 , 269 Nr . 6a aus Thüringen , H . Meyer , Der Richtige Berliner7 Nr . 31 , Treichel a . a . 0 . ; auf noch grössere Verbreitung lässt es schliessen , wenn die zweite Hälfte in Koblenz und im Magdeburger Lande in andere Reime eingedrungen ist , s . oben 17 , 269 Nr . 7 , Wegener , Volkstümliche Lieder aus Norddeutschland 1 Nr . 44 ; auch wird mir versichert , dass der Vers schon vor mindestens 40 Jahren in einem grossen Teil Norddeutschlands , auch auf dem Lande , allgemein verbreitet war . Frömmel , Kinder - Reime 2 Nr . 163 f . gibt denselben Wortlaut für Berlin , wohl allein als auch in Verbindung mit dem Tanzreim „ Wenn das meine Mutter wüsste " ( Marriage Nr . 110 , Gassmann , Das Volkslied im Luzerner Wiggertal Nr . 94 , Lewalter und Schläger Nr . 163 ) ; diese selbe Verknüpfung wird in Eschwege seit mindestens 35 Jahren als 'Kehraus' beim Johannisfesttanz gesungen , und zwar gibt die Melodie die zweite Hälfte der Schlummerpolka getreu , wenn auch vereinfacht und ohne die immerhin störende Ausweichung in eine andere Tonart wieder . 
Daneben tritt der Vers aber auch in einer anderen Reimform auf , die man versucht ist für ursprünglicher zu halten , vorwiegend im südlicheren Deutschland . Ich entsinne mich aus meiner Kindheit eines vogtländischen Schlusses Hab' die Arbeit satt ; bei Dillmann , Hunsrücker Kinderlieder Nr . 186 heisst es dafür : Furcht' mich vor der Ratt' ; in H . Hesses schwäbischem Roman Unterm Rad lautet die zweite Hälfte : Hab' kein Geld im Portemonnaie Und auch keins im 
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