Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

258 Naegele : 
mälern für die ältere zu halten1 ) . Ebenso häufig dürfte sich die griechische Form2 ) mit gleich langen Schenkeln , nach Art des Malteserkreuzes , wie die lateinische Form mit längerem Längs - und kürzerem Querbalken finden . Reliefartige Arbeit weisen mehrere Kreuzsteine im Grabfeldgau auf , die in 'Deutsche Gaue'3 ) verzeichnet und abgebildet sind . Pfeiler - förmige Steinkreuze erwähnt Otte4 ) in seiner 'Kirchlichen Kunstarchäologie' , , die jedoch mit unseren Mord - oder Sühnekreuzen keinen Zusammenhang " haben dürften ; ihre Einreihung beruht jedenfalls auf einer Verwechslung mit den ähnlich geformten Friedsäulen , von denen sich in der Nähe von Kauf'beuren drei erhalten haben5 ) . Diese bezeichneten die Grenze des Stadtgebietes , welche die ausgewiesenen Bürger nicht überschreiten durften ; Stadtamman Volkmar von Schwarzenburg hatte fünf Friedsäulen an die Hauptstrasse setzen lassen . Nach Form , Zweck und Bedeutung - sind unsere Steinkreuze auch von den Marterln , Bildstöcken , Betsäulen „ Feldkreuzen usw . wohl zu unterscheiden . 
Vorschriften über Gestalt , Grösse , Stoff mag es wohl gegeben haben ; in den überlieferten Sühnevertragsurkunden sind nur einigemal Angaben darüber enthalten ; manchmal wird einfach auf die landesübliche Form verwiesen . Die Vermutung Frauenstädts in seiner Studie über Blutrache und Totschlagssühne6 ) , es sei dieser Punkt nicht lediglich dem Belieben des Täters überlassen worden , hat manches für sich , ist aus überlieferten Sühneurkunden nachzuweisen und rechtfertigt die Annahme , 'dass jede Gegend schon früh ihr eigenes Muster ausbildete und die fertigung in der ortsüblichen Form ohne besondere Verabredung zu schehen hatte . ' Eine ganz besondere Ausnahme bilden einige träge aus Stralsund und Breslau , die mit ihren speziellen Vorschriften betreffs Setzung eines Kruzifixes über die gewöhnlichen Sühnekreuzformen hinausgehen und uns die urkundliche Handhabe dazu geben , manch uralte steinerne Feldkreuze als Sühnekreuze in Anspruch zu nehmen . So soll im Jahre 1441 ein Mörder in Breslau ein Kreuz mit Marter , also ein Kruzifix , am Ort der Tat setzen , 'dobey sich die Geschieht ergangen haben'7 ) , desgleichen 1464 eine Marter an der Stelle , wo der Mord geschehen . An des Ermordeten Grab musste 1478 Hans Seyfried eine hölzerne Marter setzen lassen ; Junke ( Johann ) von Zindel verpflichtet sich durch einen 
1 ) Deutsche Gaue 3 , 40 . 
2 ) Diese quadratische Form kommt nicht selten in der Katakombenkunst vor , so sonders schön erhalten auf dem Grabmal der Gott geweihten Jungfrau Adeodata ( S . Cyriaca , Rom ) . Eine Seltenheit ist das Steinkreuz mit doppeltem Querbalken . Zeitschr . f . österr . Volkskunde 3 , 70 . 
3 ) 4 , 134 . 
4 ) 5 , 382 . 
5 ) Deutsche Gaue 3 , 203 mit Abbildung . 
6 ) 1881 , S . 156 . 
7 ) Klose , Breslau 3 , 2 , 431 ; Schlesiens Vorzeit 2 ( 1875 ) , 275 .
        

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