Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

224 
Bruinier : Protokolle . 
Prozess des Müllers Arnold hin , der vielleicht als Grundlage i'iir die berühmte Erzählung vom König Friedrieh und dem Müller von Sanssouci gedient habe . Er fügte noch eine weniger bekannte Anekdote hinzu , die ebenfalls Friedrich d . Gr . zugeschrieben wird , und in der ein im Kreise von Zechern herumgehender krug und eine Ohrfeige eine Rolle spielen . Herr Maurer wies darauf hin , dass eine solche Erzählung auch von einem Herzoge von Braunschweig berichtet werde . — Herr Prof . Dr . Wilh . Wis s er sprach dann über Holsteinische Märchen , die sich auf König Friedrich d . Gr . beziehen , indem er auch mehrere solche in schem Dialekte vortrug . Das Andenken an den grossen König ist auch in Holstein merkwürdigerweise sehr lebendig , und viele von den Sagenstoffen , die Herr Geh . Rat Roediger erwähnte , sind auch dort verbreitet . Das Märchen vom König und dem Besenbinder ist bereits von Hebel erzählt . Sehr zahlreich sind die in der Mark weniger bekannten Geschichten von Kion , dem Hofnarren des Königs . Merkwürdig ist auch die Erzählung von dem ängstlichen Fritz im Räuberhause und den Zauberworten : Fritz is en Kümmerling . Herr Prof . Wisser hat diese holsteinischen Sagen aus dem Munde des Volkes selbst gesammelt , um sie zugeben ; eine Probe dieser Sammlung ist oben S . 166 bis 179 veröffentlicht worden . 
Freitag , ( leu 22 . März 1912 . Vorsitzender Geh . Rat Roediger . Herr Prof . Bolte widmete dem in hohem Alter verstorbenen berühmten Germanisten und Musikfachmann Rochus von Liliencron einen längeren Nachruf ( s . S . * 219 f . ) . Der Vorsitzende teilte mit , dass der Verlag der Vereinszeitschrift an das Haus Jul . Springer übergegangen sei und dankt dem bisherigen Verleger und Mit - gliede Hrn . Ad . Behrend für die musterhafte Sorgfalt , die er so lange Jahre der schrift gewidmet hat . — Dann hielt Herr Prof . Dr . Hugo Gressmann einen Vortrag über den Zauberstab des Moses und die eherne Schlange , in dem er legte , wie sowohl der Stab als auch die Schlange Symbole Jahwes und sozusagen gleichbedeutend mit der Gottheit sind . Der Vortrag wird in einem der nächsten Hefte dieser Zeitschrift abgedruckt werden . Hierauf sprach Herr Stadtverordneter Sök eland über die Entwicklung der sog . römischen Schnell wage unter Vorlegung einer grösseren Anzahl von Wagen und Abbildungen . Der Redner wies nach , dass die Römer bereits eine gut zusammengesetzte Laufgewichtswage besassen , die mit zwei Skalen und zwei Aufhängevorrichtungen bei leichter und bei schwererer Last versehen war . Diese römische Schnellwage war in alter Zeit in grossen Mengen vorhanden , wie die Funde beweisen . Auch auf der Saalburg fand man sie . Dennoch geriet sie anscheinend im Norden in Vergessenheit , und an ihre Stelle trat eine verschlechterte Form der Laufgewichtswage mit einem eigentümlichen gitter - oder fensterförmigen Kopf . Diese Art Wagen ist ebenfalls weit verbreitet gewesen und wurde in einer grösseren Zahl vorgeführt ; ihre lichkeit mit der römischen Laufgewichtswage ist nur äusserlich , indem sie sich in ihrem Bau von ihr unterschieden durch fehlerhaft gleiche wagerechte Lage der Stützpunkte für Last , Gewicht und Wage , so dass der Schwerpunkt zu hoch liegt . Die Entstehungszeit der Wagen mit dem gitterförmigen Kopfe setzt der Redner etwa in das 14 . Jahrhundert . Aus der Form der Laufgewichts wage mit dem förmigen Kopf hat sich dann wohl die verbesserte , jetzige sog . römische wage entwickelt , die sich auf dem Lande noch vielfach im Gebrauch findet und eichfähig ist . Näheres über dieses Thema ist in den Verhandlungen der Berliner Anthropolog . Gesellschaft von 1910 S . 499 ff . veröffentlicht worden . 
Steglitz . Karl Brunner .
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.