Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Rochus von Lilieiicron f . 
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Rochus von Liliencron f . 
Am 5 . März 1912 verschied zu Coblenz im 92 . Lebensjahre der Wirkliche Geheimrat D . Dr . Rochus Freiherr von Liliencron , dessen Name jedem Freunde des deutschen Volksliedes ehrwürdig und teuer ist , und dem es vergönnt war , bis ins höchste Greisenalter durch weiten Blick und sachkundigen Rat diesem Forschungsgebiete Beorderung zu erweisen . 
Rochus von Liliencron entstammte einem holsteinischen Geschlecht , das im 17 . Jahrhundert vom Deutschen Kaiser geadelt worden war . Er war am 8 . zember 1820 als der dritte Sohn des königlich dänischen Majors und kriegskommissars Louis von Liliencron zu Plön geboren . Der lebhafte und weckte Knabe verblieb bis zum 15 . Jahre unter der Aufsicht eines Hauslehrers im elterlichen Heim , besuchte dann das Gymnasium zu Plön und das Katharineum zu Lübeck , das er neunzehnjährig mit dem Entschlüsse , Theologie zu studieren , verliess . Als Kieler Student schloss er sich besonders an den Orientalisten hausen und den Historiker Droysen an . Hier und in Berlin , wohin er 1841 siedelte , erschlossen ihm sein treffliches Klavierspiel und seine gesellschaftlichen Talente die Häuser vieler wissenschaftlicher und künstlerischer Berühmtheiten . Schon damals war ihm die 'unwiderstehliche Anmut' eigen , die ihn als Greis zeichnete ; rühmt doch auch sein Abiturientenzeugnis sein Betragen als gut und liebenswürdig . Anziehend schildert der 82jährige in einem für seine Kinder und Enkel bestimmten Buche das Berlin der Biedermeierzeit , den Verkehr mit Felix Mendelssohn , der Schauspielerfamilie Crelinger , mit den Brüdern Grimm , die Persönlichkeiten eines Leopold v . Ranke , Savigny , Homeyer . Er hatte zwischen das theologische Studium an den Nagel gehängt und sich der juristischen Laufbahn zugewandt . Doch bald ergriff ihn Scheu vor der späteren Praxis eines Staatsbeamten oder Richters in seiner Heimat , wo sich unter dem neuen Könige Christian VIII . die schleswig - holsteinische Frage immer mehr zuspitzte . Da er fühlte , dass ihn nur freie wissenschaftliche Arbeit auf dem Boden der Literatur , der Poesie und der Kunst wahrhaft befriedigen könne , sattelte er mit Zustimmung seines Vaters nochmals um und studierte in Kiel unter Müllenhoff eifrig nistik . 1846 errang er mit einer ausgezeichneten Abhandlung über den sänger Neidhart von Reuenthal den Doktortitel , warf sich dann in Kopenhagen auf die altnordische Literatur und habilitierte sich als Privatdozent in Bonn . Allein sein Lebensweg sollte ihn bald der ruhigen Tätigkeit des akademischen Lehrers entführen , da seine Berufung zu einer Kieler Professur von der dänischen Regierung nicht bestätigt wurde und seine Wirksamkeit an der Jenaer Universität ( 1851 ) nicht allzu lange Dauer hatte . Seine vielseitige Begabung befähigte ihn ja zu den verschiedenartigsten Aufgaben . Als Diplomat führte er 1848 bis 1850 in Berlin die Geschäfte des Herzogs Christian August von Augustenburg , wie er auch 1880 dazu berufen ward , bei der Schliessung der Ehepakten unseres Kaisers die herzogliche Familie zu vertreten . 1854 ernannte ihn der Herzog von Meiningen zu seinem Kabinettsrat , Bibliothekar und Intendanten der Hofkapelle . Als Germanist schritt er von der Beschäftigung mit den Minnesängern und den Handsehriften des Nibelungenliedes ( 1856 ) zu einer Ausgabe des thüringischen Chronisten Joh . Rothe ( 1859 ) und zu einer fünfbändigen Sammlung der historischen Volkslieder der Deutschen vom 13 . bis 16 . Jahrhundert ( 1865 bis 1869 ) fort . Die letztgenannte Arbeit , welche durch ihre Anlage , haltigkeit und ihre ausgiebigen gelehrten Einleitungen und Anmerkungen noch heute Bewunderung erregt , sollte die unter dem augenblicklichen Eindrucke der
	        
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