Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Richard Andree f . 
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Übergänge zwischen diesen Formen und Verwandlungen wie in den Hexen - und sagen auf ; eine entsprechende StufeDreihe bieten die Gestalten der Naturgeister . War aber für die Darlegung dieser verhältnismässig einfachen Vorgänge eine so umständliche Terminologie nötig wie z . B . auf S . 68 : 'Die theriomorphe Apperzeption steht funktionslos in der anthropomorph stilisierten Sage' ? 
H . Zschalig , Volksdichtungen aus Capri ( Die Grenzboten 1911 Nr . 49 , S . 497 — 504 ) . — Zwölf kleine Volkslieder , zum erstenmal aufgezeichnet , übersetzt und mit sprachlichen und sachlichen Erläuterungen versehen . [ H . Michel . ] 
Richard Andree v . 
( Mit einem Bildnis aus dem Jahre 1895 . ) 
Die Volkskunde hat in dem am 22 . Februar 1912 heimgegangenen Professor Dr . Riehard Andree einen schweren Verlust zu beklagen . Hat er doch seit 50 Jahren unablässig auf das kräftigste an der Verbreitung und Vertiefung der Kunde vom deutschen Volke mitgearbeitet , und haben uns doch gerade seine letzten Lebensjahre mit Werken beschenkt , die seine Ergebnisse und seinen Namen noch lange für unsere Wissenschaft lebendig erhalten werden . 
Am 26 . Februar 1835 war er als Sohn des besonders durch die Herausgabe des Globus und durchsein grossangelegtes Werk 'Die Geographie des Welthandels' bekannten Geographen Karl Andree in Braunschweig geboren . Von seinem Vater übernahm er auch später ( 1891 ) die Herausgabe des Globus , der im Jahre 1910 leider kurz vor dem 50 . Jahrgang sein Erscheinen einstellen musste und so eine immer noch sehr fühlbare Lücke in der deutschen Wissenschaft zurückliess . 
Sein Studiengang war von Anfang an naturwissenschaftlich gerichtet , während die Geographie damals noch meist an die Geschichte gebunden war . Schon früh nahm seine eigene wissenschaftliche Tätigkeit die entscheidende Wendung auf das Ethnographische und damals besonders auf einige Gebiete , die von der graphie her in wichtige Lebensfragen des deutschen Volkes eingriffen . Während sein erstes Buch 'Vom Tweed zur Pentlandföhrde' ( 1866 ) die Beschreibung einer Reise nach Schottland enthielt , stellte sich sein Werk 'Tschechische Gänge' ( 1872 ) mitten in die hitzigsten politischen Kämpfe unseres Nachbarreiches hinein ; das zweitnächste aber , die 'Wendischen Wanderstudien' ( 1874 ) , behandelt ganz anders geartete und viel befriedigendere Verhältnisse . 
Von grosser Bedeutung für die Völkerkunde waren dann ausser dem Buch 'Die Metalle bei den Naturvölkern' ( 1884 ) : 'Die Anthropophagie und ihre breitung' ( 1887 ) und die wichtigen 'Flutsagen' ( 1891 ) . Ein wahres Füllhorn der interessantesten Fragen und Ergebnisse schütteten aber dann die beiden Bände : 'Ethnographische Parallelen und Vergleiche' ( 1878 und 1889 ) aus , während in dem physikalisch - statistischen Atlas des deutschen Reichs , den er mit Peschel zusammen herausgab ( 1878 ) , die Kühnheit des Versuchs besondere Anerkennung verdient und jedenfalls in Andrees 'Allgemeinem Handatlas' ( 1 . Aufl . 1881 ) das Unternehmen herbeigeführt hat , das seinen Namen am weitesten in unser Volk hineingetragen hat . 
War schon die 'Volkskunde der Juden' ( 1881 ) ein erfolgreicher Versuch in der Behandlung eines sehr schwierigen volkskundlichen Stoffes gewesen , so ist eine ganz ausgezeichnete , ja mustergiltige Leistung auf unserem Gebiet seine grosse 'Braunschwreiger Volkskunde' , die 1896 zuerst erschien und die er uns schon 1901 in zweiter Auflage vorlegen durfte . 
Noch wichtiger aber wurde für die Volkskunde die Ehe , die er bei seiner Übersiedelung nach München ( 1903 ) mit der bekannten Volkskundlerin Marie
        

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