Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

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Andree : 
grösseres Juwel als Schliesse ; die Augäpfel sind grell dunkelblau bemalt , in der Brust stecken einige Pfeile . Ich bin nicht zuständig , um den künstlerischen Wert dieser Büste zu beurteilen , den aber Adam Widl nicht hoch anschlägt1 ) . In dem Werke über 'die Kunstdenkmale des Königreichs Bayern'2 ) wird dagegen das Reliquiarium als eine der essantesten Arbeiten dieser Art in Bayern bezeichnet und das Ende des 15 . Jahrhunderts als ihre Entstehungszeit angeführt . Schon Widl erwähnt , dass um den Hals ein Band mit alten , dem Heiligen verehrten Münzen geschlungen sei . Und ein solches ist auch jetzt noch vorhanden , an dem neben älteren auch neuere Münzen hängen , z . B . ein hannoversches 18 - Gutegroschenstück mit dem Pferdchen und eine Münze mit dem Kopfe 
König Wilhelms I . von Preussen . Die Büste ist hohl , und die artige Mütze kann wie ein Deckel abgehobenwerden . Dann erscheint die den Schädel umfassende reich verzierte Silberschale , welche ausgenommen werden kann ( Fig . 1 ) . An ihrem Rande sind zwei schaumarken angebracht : F . K . und eine nicht deutliche Figur , die etwa wie ein halbes Münchner Kindl aussieht . Unter den A er - zierungen der Schale treten kreuzte Pfeile in den vier daillons auf . Was auf der Ab - Fig . 3 . Schädelreliquie des heiligen Sebastian Bildung der Schale in deren Mitte zu Ebersbeig . eine helle Scheibe erscheint , ist 
deren verhältnismässig kleiner Fuss , wenn sie zum Trinken aufgestellt wird . Hebt man diese Schale in die Höhe , so erscheint die eigentliche Reliquie . Es sind dieses drei zusammengehörige Schädelbruchstücke ( Fig . 3 ) von brauner , nicht überall gleichmässiger Farbe . Sie machen einen sehr alten Eindruck . Die drei Teile bestehen aus dem Stirnbein und den beiden Scheitelbeinen , zwischen denen die Nähte millimeterweit auseinanderklaffen . Um das rechte Scheitelbein mit dem Stirnbein sammenzuhalten , ist an der Kranznaht ein am Rande gezacktes , goldenes Plättchen als Klammer angebracht , auf welchem die Figur des mit Pfeilen durchbohrten S . Sebastian eingraviert ist , anscheinend eine Arbeit des 15 . Jahrhunderts . Danach wäre diese Klammer in früher Zeit gefertigt worden , uin die Schädelteile vor dem Auseinanderfallen zu bewahren , und 
1 ) Divus Sebastianus p . 2 ( 51 : Statua ipsa antiqui operis , magis a probitate metalli , quam ab arte commendatur . 
2 ) Oberbayern 2 , 1351 .
        

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