Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

164 Andree : 
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Atem zu Hause ankam . Dort fand sie ihren Mann todkrank im Bett . Als sie ihm ihr Erlebnis mitteilte und erzählte , sie habe die Schuhe im Walde gelassen , verstand er seine plötzliche Erkrankung , und dass ihm der Hase und der Fuchs das Leben gerettet . 
Als die Frau am nächsten Tage wieder in den Wald ging , ihre Schuhe zu holen , waren sie in eine Blume verwandelt , die man bis auf den heutigen Tag Frauenschuh heisst ( Cypripedium calceolus ) . Sie blüht in Wäldern , am häufigsten in solchem Gehölz , wo man auch Erdbeeren findet . 
Grüne Blätter von dem Hafer Und die Schuh' hatte sie gefunden , 
Aber aus dem Schuh , o meine Frauen , 
Es war erblüht ein Blümelein . 
( Fortsetzung folgt . ) 
Hermannstadt , Siebenbürgen . 
Kleine Mitteilungen . 
Die Taufe totgeborener Kinder . 
( Vgl . oben 21 , 333 . ) 
Mündlich wie schriftlich ist an meiner kurzen Mitteilung gezweifelt worden , , dass die Taufe totgeborener Kinder heute noch üblich sei . Ich hatte nur einen Auszug aus einer längeren auf diesen Gegenstand bezüglichen Abhandlung des französischen Gelehrten P . Saintyves gegeben und daran den Nachweis einer Quelle gefügt , welche das gleiche Vorkommen im heutigen Tirol bezeugt , wo man den Fall leicht nachlesen kann . Um aber jenen Zweiflern zu begegnen , bringe ich hier einigen weiteren Stoff bei , der durchaus unverdächtigen , gut katholischen Quellen entnommen ist . Für Bayern liegen Zeugnisse aus dem Prämonstratenser - Kloster Ursberg im Mindeltale vor : 'Seit der Stiftung des Klosters befindet sich dort ein altes , aus Holz geschnitztes Kruzifix . Bei allen Zerstörungen , die über die Kirche und das Kloster kamen , blieb es unversehrt . Nur ein Arm wurde dem Bilde von einem schwedischen Soldaten abgehauen . Seitdem galt das Bild als wundertätig , zahlreiche Wallfahrer zogen hierher im frommen Glauben , dass hier totgeborenen Kindern wenigstens so lange das Leben zuteil werde , um die h . Taufe empfangen zu können . Hunderte von anscheinend geborenen Kindern wurden nach Ursberg gebracht , und es sollen , nach P . Kormann , wirklich zahlreiche Fälle vorgekommen sein , dass diese Kinder Lebenszeichen gaben und getauft werden konnten . Der rationalistische Unglaube am Ende des 18 . und noch mehr des 19 . Jahrhunderts bot alles auf , diese Wallfahrt zu nichten , was leider auch gelang'1 ) . 
1 ) Kalender für katholische Christen . Sulzbach 1888 . S . 120 .
        

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