Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Glaube und Brauch bei Tod und Begräbnis der Romanen im Harbachtale . 161 
Im Frühjahr , wenn der Kuckuck schreit , fragt man ihn , wie viele Jahre man noch leben wird ; schweigt er , so stirbt man noch in demselben , so viele Male er Kuckuck ruft , so viele Jahre lebt man [ vgl . Wuttke § 280 ] . Man muss ihn schmeichelnd fragen , ihn mit 'tapferer oder fescher Jüngling' anrufen ( Cucule vonicule oder viteazule ) ; das hört er gern und gibt einem noch viele Jahre . 
Am 18 . August neigt sich der farbenreiche Sommer . Seine Farben werden bleicher . Dieser Tag , ein hoher Feiertag , ist das Sinnbild der Vergänglichkeit — Schimbare la faça — Christi Verklärung . Das Laub auf den Bäumen beginnt gelb zu werden , es bereitet sich zum Abfallen , so auch der Mensch , der im Laufe des Jahres sterben wird . An diesem Tage wechselt auch er die Farbe , er verändert sein Angesicht , wird gelb und welkt . Manche Frauen erkennen den baldigen Tod im Angesicht eines solchen welkenden Menschen . — Will man wissen , ob ein kranker wieder gesund wird oder sterben muss , kocht man in einem Kessel viele Zweige von Stabkraut , Abwend ( Artemisia abrotamnum ) , Lemnul Domnului , eine Art Wermut , welchen man zu diesem Zweck im Garten pflanzt . Wird das so gekochte Wasser in zwei Tagen rot , so ist dies ein Zeichen , dass der Kranke stirbt . Man badet ihn in diesem Wasser ; bleibt es jedoch weiss , so wird er gesund , daher braucht man ihn nicht auch noch zu baden . Oder hat man einen Schwerkranken und möchte wissen , ob er wieder gesund werden wird , so kauft man eine Rolle WTachslicht ( kleines gelbes ) , misst damit den Kranken , ohne dass er es merkt , und schneidet so viel davon ab , als der Kranke lang ist , zündet es an und stellt es hinter das Bett , so dass er es nicht sehen kann . Lebt er noch , wenn die Kerze ganz verbrannt ist , so wird er wieder gesund . [ Uber das Messen der Kranken s . oben 21 , 151 f . und die dort angeführte Literatur . ] Einem Verwundeten gibt man in Wasser aufgelöste , pulverisierte augen zu trinken ; behält er sie bei sich , wird er gesund , gibt er sie von sich , so stirbt er . 
3 . Vorboten des Todes1 ) . 
Guten Menschen gibt die Totenfrau mindestens drei Tage vorher ein Zeichen , damit sie ihr Haus bestellen und sich auf den Tod vorbereiten können . Als Boten benutzt sie hauptsächlich Tiere , den Hofhund , die schwarze Henne , die Schwalbe , den Kuckuck , die Elster , am häufigsten aber das Käuzchen — , ciuvica oder cucoveica , auch die Sachsen heissen diesen Vogel Totenvogel . Sie erscheint dem auserwählten Opfer auch selbst im Traum oder sendet den Totenvogel aufs Dach . 
1 ) [ Zu zahlreichen der unter Nr . 1—28 mitgeteilten Vorzeichen des Todes finden sich Entsprechungen im Volksglauben der Südslawen ; s . A . Strausz , Die Bulgaren ( Leipzig 1898 ) , S . 425 . Fr . S . Krauss , oben 2 , 178f . ] . 
Zeitschr . d . Vereins f . Volkskunde . 1912 . Heft 2 . 11
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.