Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Menschenschädel als Trinkgelasse . 
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Diese Schale aber ist offenbar an die Stelle einer viel älteren Fassung getreten , wie aus einer Hauptquelle über den Sebastianskult in Ebersberg hervorgeht1 ) . Danach soll schon Graf Ulrich I . von Ebersberg ( 10 . hundert ) die Reliquie in Form eines Bechers in vergoldetes Silber haben fassen lassen . Die heutige silberne Schale ist viel jünger und muss demnach an die Stelle einer älteren getreten sein . Auch über den Ursprung der Relique selbst ist man verschiedener Ansicht . Nach der eben angeführten Quelle2 ) liess ein Graf Eberhard , der zu Ebersberg eine 
Kirche baute , für diese Reliquien suchen . Er schickte zu diesem Zwecke den Propst Hunfried nach Rom , welcher dort von Papst Stephan VIII . im Jahre 931 die Hirnschale Sebastians erhielt und nach Ebersberg brachte . Nach dieser Lesart wäre sie also beinahe tausend Jahre dort . Jedenfalls dient sie seit uralter Zeit als Trinkschale , und die Frage , ob sie wirklich dem Heiligen angehörte , soll später gestreift werden , da sie für meine Zwecke hier eigentlich belanglos ist . 
1 ) Divus Sebastianus Eberspergae Boiorum propitius seu cultus ejusdem gloriosi inartyris a prima loci fundatione ad nostra usque tempora propagatus et nunc publicae luci datus , Auetore Adamo Widl e Soc . Jesu . Monachii , cum facúltate superiorum MDCLXXXVIII . Fernerhin als 'Widl' angeführt . 
2 ) Widl p . 47 . 
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Fig . 1 . Silberscliale von 1647 . Einfassung des Schädels S . Sebastians .
        

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