Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

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Boite , Julien : 
lieder , die am zweiten Weihnachtstage , wo man die Pferde aus dem Stalle führt , , zum Vortrag kommen , die dramatischen Weihnachtsspiele , die aus heidnischer Tiervermummung abgeleitete Verkleidung des Narren als Bock und die geschichte des in Schweden erst nach 1800 eingeführten Weihnachtsbaumes . Der neuerdings öfter ( von Lindgren , 0 . Andersson , Troels - Lund u . a . ) erwogenen und viel Vorsicht erheischenden Frage nach dem Ursprünge des schwedischen Tanzes Polska gilt die letzte , eingehende und durch neue musikalische Zeugnisse illustrierte Untersuchung , die auf den im Verlaufe der Zeit wechselnden Charakter der Tänze gebührende Rücksicht nimmt . Die lebhaften Tänze des 16 . Jahrhunderts kamen nicht aus Polen , sondern aus Italien über Deutschland nach dem Norden ; der polnische Tanz ging damals im ruhigen 2 / i Takt , erhielt aber dann einen lebhaften Nachtanz , der um 1650 die Hauptsache war und in die niederen Klassen eindrang . Um 1700 ward er wiederum verfeinert zur ruhigen Polonaise und trat dem Menuett an die Seite , bis beide ein Jahrhundert darauf durch andere tänze verdrängt wurden . Im Volke erlebte die alte Polska um 1830 eine kurze Nachblüte , dann traten Walzer und Polka an ihre Stelle . 
Über manche Partien des reichhaltigen Werkes , das der Vf . die Freundlichkeit gehabt hat mir zu widmen , darf ich mir kein selbständiges Urteil erlauben ; dass aber überall ein ungemein kenntnisreicher und mit der historischen Methode wohl vertrauter Forscher redet , glaube ich versichern zu können . Für die lichkeit nichtschwedischer Leser ist durch ein ausführliches deutsches Heferat ( S . 404—414 ) gesorgt . 
Berlin . Johannes Bolte . 
Karl Spiess , Die deutschen Volkstrachten . ( 'Aus Natur und Geistes - welt' , Bd . 342 . ) Leipzig , Teubner 1911 . VI , 138 S . 8° . Mit 11 bildungen , geb . 1 , 25 Mk . 
Ein populäres Werkchen über dieses späterschlossene kulturhistorische Gebiet ist von nicht zu unterschätzendem Wert ; denn die grossen Werke , die bisher darüber veröffentlicht wurden , waren aus den verschiedensten Gründen nur einem kleinen Kreise zugänglich . Wenn aber in letzter Stunde noch gesammelt und Interesse dafür erweckt werden soll , was Volkskraft in der Kleidung zu ihrem individuellen Ausdruck geschaffen hat , kann es im Grunde nur durch Mitarbeit der Allgemeinheit geschehen ; ist doch noch weit mehr vorhanden , als man sich bei oberflächlichem Hinschauen träumen lässt . Deshalb muss man dem Huf des Trachtenbüchleins : 'Sammelt die Trachtenstücke ! ' einen recht weiten Hörerkreis wünschen . Was Herr Pfarrer Spiess darin an Eigenem gibt , zeugt von sonderem Interesse und Verständnis für den Stoff , von gründlichen Studien der einschlägigen Literatur und von einer gesunden Anschauung , die sich nicht scheut , wie er selbst sagt , 'manche liebgewordene Anschauung zu zerstören' ( S . III ) . Man muss es im Grunde nur bedauern , dass er mit diesem Zerstören nicht radikaler vorgeht , sondern , da er in der Hauptsache doch nur einen Extrakt des bereits Vorhandenen gibt , noch manche 'liebgewordene Vorstellung' übernimmt , die vielleicht auch zerstörenswert wäre . Was gegen das Buch zu sagen ist , richtet sich deshalb nicht so sehr gegen ihn , als gegen Mängel und Lücken unserer Volkstrachtenkunde überhaupt . Das erste Kapitel des Buches , das 'Wesen und Entstehung der Volkstracht' behandelt , gibt einen kurzen geschichtlichen blick . Die Volkstracht im Mittelalter , der Einfluss ausländischer Mode werden erörtert und der kulturgeschichtliche Wert der Volkstracht ins rechte Licht
	        
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