Insektenkost beim Menschen 5
viele ..., als sie mit beiden hohlen Händen zu schöpfen vermag ...,auf zwei
oder drei angefeuchtete und frische, harte und große Blätter von der Phrynium-
Staude und hüllt darin die bescheidene Menge ein. Diesen Beutel aus frisch-
grünen Bláttern, verschnürt und umschlungen mit den eigenen langen Blatt-
stielen, schiebt die Frau ganz nahe an die schwach glimmende Holzkohle ihres
Feuers heran und überláBt ihn der Einwirkung ausstrahlender Hitze. Die
Blátter selbst verbrennen nicht, und zuweilen nur verkohlen sie oberfláchlich,
weil sie frisch-feucht und lederartig hart sind. Wohl aber erhitzen sich die
darin eingeschlossenen Wasserteilchen ziemlich schnell bis zu dem Grade, daf
sie sich in Dampf verwandeln; und er macht in weniger als einer halben Stunde
alle Fleischteile gar. Wird der Blátterbeutel sogleich aufgepackt, gilt der Inhalt
als weich genug, und die eigenen Finger führen die kochend heifBen Lecker-
bissen zum Munde. Die Tiere niederer Ordnungen, haupt-
Sächlich Raupen und Larven, decken zu einem beträcht-
lichen Teile den Bedarf an Fleischnahrung für unsere
kleinen Waldmenschen."!)
Der groBe Bedarf an solcher Beute bedingt und erzwingt es, daf das
sammelrevier etwa jeden dritten oder vierten Tag gewechselt wird, da es
stets rasch leergesammelt bzw. -gejagt ist.
Eine Zeit geradezu des Schlemmens ist es, wenn Termiten schwüár-
men. Wenn die Zeit kommt, wird der Bau von der Bambutifamilie táglich
kontrolliert und bewacht, und wenn es soweit ist, sind Feuer angezündet.
Den herausfliegenden Tausenden von Termiten verbrennen die Flügel, und
sie werden korbweise gesammelt, zubereitet und verschmaust. Es ist eine Zeit
reichster Ernáhrung und fast mühelos. Denn, so führt Schebesta (32, S.184)
aus, ,Termiten sind für die Zwerge in jeder Zubereitung genieDbar und stets
ein Leckerbissen, weil sie fett sind. Man steckt sie auch lebend in den Mund,
nachdem man ihnen die Flügel ausgerissen hat, und zerkaut sie. Beliebter
jedoch ist das Rósten mitsamt den Flügeln; dann stopft man sich den Mund
damit voll, bis das Fett die Mundwinkel herablàuft."
Aber diese Genufzeiten sind nicht allzuhäufig, und sonst ist, wie man
sich nach den Schilderungen der Forscher denken kann, die Sammeltätigkeit
recht anstrengend. Nicht erwähnt finde ich, daß selbstverständlich die Sammler
und Jäger in den vielen Stunden ihrer Arbeit nicht nüchtern bleiben. Genau
wie bei uns etwa Beerensammler in ihrer Tagesarbeit Hunger und Durst mit
manchem Beerlein stillen, werden auch Erwachsene und Kinder beim Wandern
manchen Bissen zum Munde führen, der dann vom betreffenden Forscher nicht
bei der Abendmahlzeit gesichtet wird. Aber beide Reisende versichern, daß
Raupen (nicht alle Arten!) auch gerne roh, etwa ausgedrückt, gegessen werden,
lieber allerdings geröstet, wo sie als besondere Leckerbissen gelten.
Es sei genug der Einzelheiten. Man hat wirklich ein deutliches Bild, wie
bei diesen Waldmenschen die Insektennahrung neben dem Genuß von Wild-
fleisch und Fleisch von Reptilien und Vögeln eine sehr beträchtliche Rolle
spielt. Ohne Insekten wäre ihre Ernährung selbst heute, wo die symbiotischen
Neger Bananen usw. liefern, nicht ausreichend! Und die Menschen sind in
gutem körperlichem Zustand. Auf die diesbezügliche Bedeutung der Insekten-
nahrung wird unten noch eingegangen werden.
Ist nun diese Insektennahrung nur eine Eigentümlichkeit dieser Urwald-
pygmäen oder ist sie überhaupt an diese Kulturstufe geknüpft? Da wären
einige Wildbeuterstämme der indischen Welt zu untersuchen. Unter den
Negritostämmen Asiens stehen die Semang der Halbinsel Malakka teilweise
noch auf rein wildbeuterischer Kulturstufe. Wir verdanken demselben Forscher
1) Vom Ref. gesperrt.