Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 12.1902

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Boite , Singer : 
Der Charakteristik der doch seit Jahrhunderten mit Deutschen in Verbindung stehenden Slavenreste hätten wir einen breiteren Raum gewünscht , insofern der mund derselben bei den umwohnenden Deutschen berücksichtigt werden konnte . Die gegenseitigen Beziehungen zwischen Deutschen und Slavenresten sind überhaupt etwas kurz weggekommen . Wie diese Gegensätze bis in ein modernes Drama hineinspielen , sieht man an dem verschlagenen litauischen Weib , der Wesskalnene , und ihrem Verhältnis zum deutschen Gutshofe im 'Johannesfeuer' Sudermanns . 
Diese Ausstellungen sollen den Wert des Tetznerschen Werkes nicht setzen ; der deutsche Volksforscher wird diese umsichtige Arbeit ebenso wie der Slavist mit Anerkennung des Geleisteten begrüssen . 
Löbau i . S . Curt Müller . 
Heimatklänge aus deutschen Gauen . Ausgewählt von Oskar Dähn - hardt . II : Aus Rebenflur und Waldesgrund . III : Aus Hochland und Schneegebirg . Mit Buchschmuck von Robert Engels . Leipzig , Teubner 1902 . XX , 185 und XXII , 186 S . kl . 4° . Je 2 , 60 Mk . 
Den ersten Band von Dähnhardts hübscher Auswahl deutscher Dialektgedichte des 19 . Jahrhunderts hat Weinhold oben XI , 104 mit warmen Worten willkommen geheissen . In den beiden übrigen Bänden , vor denen das Vorwort des ersten wiederholt wird , hat der Sammler dasselbe Geschick bewährt , eine zunächst für die Jugend berechnete geschmackvolle Lese zu treffen und ihren Blick dadurch auf den Volkscharakter der einzelnen deutschen Stämme und deren Mundarten zu lenken . Der zweite Band führt durch Mitteldeutschland vom Rhein bis nach Schlesien und Böhmen , der dritte giebt Proben aus alemannischen , bayerischen und österreichischen Dichtern , von dem Elsässer Stöber bis zum Steirer Rosegger . So sehr ich mit der Vereinfachung der Orthographie einverstanden bin und flüssige Gelehrsamkeit ( wie etwa den Nachweis verbreiteter Schwankstoffe1 ) dem schmucken Werklein ferngehalten sehn möchte , kann ich doch den Wunsch nicht unterdrücken , dass einer zweiten Auflage kurze biographische Nachrichten über die einzelnen Dichter und hie und da , beileibe nicht durchweg , erläuternde Hinweise wortgeschichtlicher Art beigegeben werden möchten . J . B . 
August Andrae , Hausinschriften aus Holland , gesammelt und herausgegeben . 
Emden und Borkum , W . Haynel , 1902 . 32 S . Querfolio . 
Die von A . auf verschiedenen Streifzügen durch Holland gesammelten inschriften machen den Eindruck zuverlässiger Lesung , auch ahmt die richtung so getreu als möglich die Buchstaben der Originale nach . Geordnet sind sie nach dem Inhalt : Abwehr der Neider , Gottvertrauen , Bibelsprüche u . a . ; zeichen entlehnt aus der Bibel , dem Beruf , dem Tierleben . Bedauerlicherweise aber hat A . die einzelnen Inschriften nicht numeriert und ein sehr unbequemes Format gewählt . Dass er die frühere Litteratur über deutsche Haussprüche nicht systematisch heranzog , wird man ihm nicht zum besonderen Vorwurf machen ; nur durfte er nicht die einschlägigen niederländischen Werke von J . van Lennep und J . ter Gouw De Uithangteekens ( 1868 ) und Het Boek der Opschriften ( 1869 ) völlig ignorieren . J . B . 
1 ) Sporgel ( 2 , 93 ) erzählt die alte Geschichte vom Teufel und Amtmann ( Pauli , Schimpf und Ernst No . 81 ) , Motz ( 2 , 83 ) reimt die vom Eseldieb ( Köhler , Kl . Schriften 1 , 507 ) , Fraungruber ( 3 , 163 ) macht den derben Schwank von dem heim dritten Seufzer sterbenden Dummkopf ( Köhler 1 , 486 . 505 ) salonfähig .
	        
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