Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 12.1902

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Höfler , Roediger : 
Die weibliche Sterilität wurde im 14 . —15 . Jahrh . allerdings auch mit 'Bestopfung' ( 1 . eocl . 690a ) bezeichnet , was der oppilatio entsprechen würde ; es ist also nicht unwahrscheinlich , dass mit jenem 'Ungenannt1 die zauberhaft veranlasste Sterilitas s . Impotentia gemeint und dieses Leiden'mit dem sonderbaren Verse besprochen wurde . Im übrigen ist Ungenannt = Erysipelas , Phlegmone , auch Schön , Röte , Uberröte , Rotlauf genannt ; bei Pferden ist es = Rotz , Rotzsucht , Rotzwurm . Ausser den in meinem Krankheitsnamenbuche ( S . 441a , 911a ) angeführten stellen wäre noch hierzu ergänzen : ( 13 . Jahrh . ) mit derselben ( Knoblauch - ) Salben heilet man die blâsin vngenannt vñ swlst ( Wiener Sitzungsber . 71 . 539 ) = laufblase ; ( 14 . Jahrh . ) den vngenanten ( ein durch Besprechungen behandelter Krankheitswurm , Alemannia Zeitschrift 1882 , 227 ) ; ( 1544 ) sawgallen syge gut fur den ungenannten ( Archiv f . Schweiz . Volkskunde III , 218 ) ; ( 1609 ) allerley nannte oder Würm — Pferdewurm ( Rotz ; Uffenbach , Von den Kranckheiten und Gebrechen der Pferde II , 29 . 33 ) ; ( 18 . Jahrh . ) von dem Bößen vnd Schlaffenden Ungnambten ( Alemannia 1882 , 110 ) , schlafender Wurm , latenter Rotz ; ( Allgäu ) Ungamt = Überröte ( Reiser , Sagen II , 438 ) . Da solche als 'ungenannt' neten Krankheiten von besonderem volksmedizinischem Interesse sind , so möge es erlaubt sein , obige Ergänzungen zu liefern . M . Höfler . 
Die Flutsagen 
des Altertums und der Naturvölker hat Dr . M . Winternitz in Prag in den teilungen der Anthropolog . Gesellschaft in Wien Bd . 31 ( 1901 ) S . 305—333 einer erneuten Prüfung unterzogen , dabei zu Resultaten gelangend , die von den Usener - schen ( Die Plutsagen , Bonn 1899 ) abweichen . 
Er giebt zunächst eine Liste der ihm bekannten Flutsagen ( mehr als achtzig Nummern ) 1 ) , klassifiziert und analysiert sie . Eine semitische Flutsage , zeigt sich ihm , hat auf die der Inder , Perser , Griechen eingewirkt . Einfluss der biblischen Sage begegnet in Indien , Melanesien , Amerika ( bei Indianern , Mexikanern , anern u . s . w . ) , minder sicher in Polynesien , und ist auf christliche Missionare zurückzuführen . Entweder entstanden dadurch erst die Flutsagen dieser Völker oder es wurden danach ältere , einheimische Flutberichte umgebildet . Auch in den zigeunerischen , skandinavischen , keltischen , litauischen Sagen zeigt sich Einfluss der Bibel . Die hebräische Flutsage ihrerseits ist von der babylonischen abgeleitet . 
Nicht bei allen Völkern existieren Flutsagen . Sie gehen auch nicht alle auf ein und dasselbe urzeitliche oder historische Ereignis zurück . Sie sind w7eder mythologisch zu erklären , so dass der Gerettete ein Licht - oder Sonnengott wäre , noch aus alljährlich wiederkehrenden Überschwemmungen . Vielmehr entstanden durch sporadische ausserordentliche Fluten Lokalsagen , die dann zu kosmogonischen Sintflutsagen umgeschaffen wurden . M . Rr . 
Japaniselie Frauennamen . 
Es dürfte den Lesern unsrer Zeitschrift von Interesse sein , in Kürze auf die Ergebnisse hingewiesen zu werden , die das gelehrte Mitglied unsres Vereins , Herr Prof . Rud . Lange aus 794 von ihm gesammelten und analysierten Frauennamen aus Tokyo und Umgegend gewonnen hat . 2 ) Wegen der verschiedenen Schriftarten 
1 ) Nachträge von Dr . R . Lasch , Bd . 32 ( 1902 ) , S . [ 26 ] - [ 28 ] . 
2 ) Vgl . die Mitteilungen des Seminars für Orientalische Sprachen zu Berlin . 
gang IV—V , Abt . I Ostasiatische Studien ( Berlin 1901 — 2 ) S . 197—245 und 1—28 .
	        
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