Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 11.1901

Schell : Zwei alte Gerichtsstätten in den Rheinlanden . 
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Zwei alte Geriehtsstätten in den Rheinlanden . 
Von 0 . Schell . 
( Mit Tafel I . ) 
1 . Feldkirclieii bei Neuwied . 
In No . 10 der Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins schreibt Walther Lindner : „ Die Gemeinde Feldkirch am Nordrande des Neuwieder Beckens umfasst fünf Ortschaften mit evangelischer Bevölkerung . Die alte , gemeinschaftliche Kirche liegt bei dem Orte Wallendorf , und vor dem idyllisch gelegenen Pfarrhause steht eine uralte Gerichtslinde , von einer halbkreisförmigen Steinmauer eingeschlossen . An der offenen Seite dieser Mauer , vor der Linde , befindet sich der noch wohlerhaltene steinerne Tisch , auf drei Seiten von Steinbalken umgeben . Daneben erhebt sich der gleichfalls aus Steinen hergestellte Pranger , dessen Halseisen die älteren Einwohner noch in Fahrfeldkirch gesehen haben , und zwar im dortigen „ Backes " , dem früheren Gemeinde - Backhaus , jetzt noch lungshaus der Gemeinderäte . " 
Diesen Mitteilungen lässt sich noch einiges hinzufügen , was von nicht unerheblicher Bedeutung ist . Zunächst einige Massangaben . Die Bank , welche den Tisch umgiebt , ist ungefähr 2 m lang und besteht , wie auch der Pranger , aus Basalt , während der Tisch aufgemauert und oben mit einer Platte versehen ist . Letztere ist quadratisch und hat einen messer von 75 cm . Auf dem Pranger ist ein etwas verwittertes Wappen ( rechtsschreitender Hahn ) zu sehen . Der Pranger hat am oberen Ende einen Einschnitt , welcher in der Halshöhe eines Mannes ( wie mir ein Bauer demonstrierte ) angebracht ist , und welcher zur Fesselung des armen Sünders diente . 
Noch wird jährlich einmal unter dieser Linde eine A ersainmlung aller Männer der Ortschaften Fahr , Wollendorf , Gonnersdorf und Hüllenberg ^gehalten . Feldkirchen ( nicht Feldkirch , wie es in der Monatsschrift des G - . - V . heisst ; man vergi . Paul Vogt , Die Ortsnamen im Engersgau , Neuwied 1890 , S . 36 . 49 ) selbst kommt als Ortschaft nicht in Betracht , da hier nur die Kirche mit einem Pfarrhause stellt . An der Spitze dieser ^ Olksversammlung steht ein Achterausschuss , kurzweg die Achte genannt , ^vozu jede Ortschaft zwei Glieder stellt . Jährlich wird die Hälfte der Achter neu gewählt . Diesen acht Männern liegt die Aufsicht über die Gemeindewalduno - en ob . Nach den Mitteilungen dortiger Bauern nahm einst der Richter , später noch der Bürgermeister an diesen Sitzungen teil . Seit etwa 5—6 Jahren hat sich auch der Bürgermeister von diesen sammlungen zurückgezogen .
	        
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