Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 11.1901

von Negelein : Die Reise der Seele ins Jenseits . 
263 
Die Reise der Seele ins Jenseits . 
Von Julius von Negelein . 
( Schluss von S . 158 . ) 
III . Versuche , die Seele an der Rückkehr zu verhindern . 
Dass Gespenster und Krankheitsdämonen ineinander übergehen , ist bereits hervorgehoben worden . Es ist deshalb wichtig festzustellen , dass man sich letzterer ebenso wie ersterer zugleich mit der Vernichtung ihrer Spur zu entledigen versuchte und dass der heutige Volksbrauch ebenfalls entsprechende Verfahren kennt . — Auf Rügen legt man , um sich vor dem Mahrreiten zu schützen , einen abgefegten , stumpfen Besen unter das Bett , damit die Hexe keine Macht mehr daran habe und ihn nicht zum . Reiten benutzen könne . 1 ) Der Besen ist wie das Sieb ein Sitz djer lichen Krankheitsdämonen , die eine späte Zeit Hexen genannt hat , wie alle heidnischen Gottheiten gleichen Geschlechts . Es liegt hier die sehr richtige hygienische Idee zu Grunde , dass der Staub der Wohnungen der wichtigste Infektionsträger ist . 2 ) Deshalb sind alle Reinigungsinstrumente Attribute von Krankheitsdämonen . Die Zugehörigkeit einer ideellen oder wirklichen Persönlichkeit zu einem Tier oder Gegenstand wird aber in Sage und Mythe stets dadurch ausgedrückt , dass man erstere auf letzteren stehen oder reiten lässt . Deshalb reiten die Hexen auf Sieben , Schaufeln und Besen . 3 ) Der Alp , der den Kranken besuchen will , benutzt also in dem obigen Falle den Besen als Reitinstrument , erkennt ihn aber als ungeeignet und hört auf , den Kranken zu quälen . Man erwäge , dass das Alpdrücken gewöhnlich als der Plug einer dämonischen Seele aus ihrem eignen Leibe zum Zweck des Besuches des Patienten gedacht wurde . 
Es liegt mithin der Mystik , die sich selbst um den Besen herum spinnt , der Gedanke zu Grunde , dass man die Spur der Dämonen in selben o - efangren hält . Ihr Dasein ist so unauflöslich an das die Quint - 
O o 
essenz ihrer Wesenheit , den Staub , beherbergende Instrument ( den Besen , die Schaufel u . s . w . ) gebunden , dass selbst die lokalen Verschiebungen des einzelnen Dämons nur unter Vermittlung jenes Prägers ihres Wesens gedacht werden konnten . Unter diesem Gesichtspunkt erklären sich viele 
1 ) Zeitschrift für Ethnologie 23 , 454 . 
2 ) Ich verweise auf den vortrefflichen Aufsatz von Höfler über Krankheitsdämonen im 2 . Bande des Archivs für Religionswissenschaft . 
3 ) Vgl . das allgemein - mythische Reiten von Göttern auf Tieren , die ihre Wesenheit symbolisieren oder ältere Formen derselben darstellen : die Sonnengötter der Indogermanen reiten auf Rossen oder lassen sich von denselben fahren , die semitischen götter reiten auf den Sonnenvögeln , die babylonischen stehen vielfach auf attributären Tieren .
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.