Volltext: Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft, 19.1889

Beurteilungen . 
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Dr . Friedrich Poïîe , Wie denkt cías Volk über die Sprache ? Leipzig , Teubner 1889 . 
Diese Schrift umfasst nur 126 Seiten ( mit einem gister von 27 Seiten ) und ist für „ Leser aus allen Kreisen der Gebildeten " bestimmt . Dem entspricht die wirklich anmutige Darstellung derselben . Ich wünschte , da ss auch Gelehrte das Büchlein studiren möchten . Vielleicht lernt hier doch mancher einsehen , inwiefern es Schöpfungen des Volkes in der Tat gibt , was der Verfasser in der leitung darlegt . 
Der Verfasser berührt hier wesentlich den stand , den auch Bruchmann in dem vorstehend angezeigten Buche behandelt hat ; indessen ist sein Gesichtspunkt ein anderer . Er will , wie das Titelblatt ankündigt , das legen , was man anderweitig das unmittelbare Verhalten des Bewusstseins im Volke zu seiner Sprache genannt hat , im Gegensatz zu dem reflectirten Verhalten des tikers ; und er legt jenes in Tatsachen dar , oline es durch Theorie erklären zu wollen , worauf Bruchmann ausgeht . In anderer Weise kann ich ( immer abgesehen von manns strenger Wissenschaftlichkeit und der populären Behandlung des Verfassers ) den Unterschied so bezeichnen : der Verfasser will zeigen , wie das Volk versteht , Bruch - niann aber wie das Volk spricht und auch die Dichter sprechen . Gerade weil Bruchmann viel Tieferes und fassenderes wollte , hätte ich gewünscht , dass er der vom Verfasser vertretenen Rücksicht mehr Aufmerksamkeit hätte widmen können . Während der Sprechende so ches spricht , woran er nicht glaubt , an dessen keit er nicht denkt , so weiß der Hörende doch recht wol , was der Redende gesagt hat ; er versteht richtig und macht diesem keinen Vorwurf , dass er sich eigentlich ganz unverständlich ausgedrückt habe . 
So scheint mir das erste Kapitel unseres Büchleins „ Das Volk versteht richtig " das wichtigste der acht pitel desselben . 
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