Volltext: Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft, 18.1888

lieber Gebräuche und Aberglauben beim 
Essen . 
Yon Carl Haberland . 
Fortsetzung aus Bd . XVII . Heft 4 . 
§ 6 . 
Frühzeitig musste sich dem Menschen die Erkenntnis aufdrängen , dass nur durch die Nahrung seine Existenz überhaupt ermöglicht , die Nahrung selbst daher heilig zu halten und der Gottheit namentlich für sie zu danken ist . „ Niemand , wenn er nicht isst , vermag etwas " , sagt bereits der A vesta in richtiger Würdigung der Bedeutung der Nahrung und diesem alten Satze entspricht genau die im Eifellande gehende Redensart „ Wer nicht isst , der arbeitet auch nicht " . 1 „ Das Brod erquicket des Menschen Herz " singt der Psalmist , 2 vom „ heiligen Kerne des Mehles " Homer , 3 heilig nennt Notker in seiner Psalmenübersetzung die Saat , vom lieben Korn redet das deutsche Mittelalter . 4 In einem angelsächsischen Zaubersegen werden die Siegweiber beten , so eingedenk des Glückes des Kriegers zu sein , wie jeder Mensch der Speise und der Heimat . 5 Die oben geführte Stelle des Avesta lautet vollständig : 
„ Niemand wenn er nicht isst , vermag etwas . 
Nicht ( vermag er ) tüchtig zu sein in reinem Wandel . 
Nicht tüchtig zu sein im Ackerbau . 
Denn vom Essen lebt die ganze mit Körper begabte Welt , ohne Essen stirbt sie . " 
1 Schmitz . Sitten etc . des Eifler Volkes . Trier 1856 . S . 190 . 
2 Psalm 104 , 15 . 
3 Hias 11 , 631 . 
4 Gervasius von Tilbury . Otia imperialia . Herausgegeben von Liebrecht . Hannover 1856 . S . 57 . 
5 Mannhardt . Germanische Mythen . Berlin 1858 . S . 673 . 
Zeitschrift für Völkerpsych . und Sprachw . Bd . XVIII . 1 . 1
	        
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