Volltext: Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft, 11.1880

Das Ich im Leben der Völker . 
Von 0 . Flügel . 
Erste Hälfte . 
Diejenigen Begriffe , welche dem speculativen Denken die schwierigsten und dunkelsten sind , pflegen im praktischen Leben nicht selten gerade die verständlichsten und geläufigsten zu sein . Gar vielen scheint es als eitel Spitzfindigkeit , in Begriffen wie in dem des Dinges mit mehreren Merkmalen , der Veränderung , der Geschwindigkeit u . a . Schwierigkeiten zu sehen ; hierin gar Widersprüche zu finden , das heißt nodum in scirpo quaerere . Schon eher ist man geneigt zugehen , dass der Begriff des Ich gewisse Dunkelheiten in sich berge , denn bereits ein wenig Verliefung in das , was das Ich sei , was ihm wesentlich und was unwesentlich dabei ist , ob ich dasselbe Ich wäre unter ganz andern Verhältnissen , lässt manche Schwierigkeiten fühlen . Indessen auch hier gilt es , je tiefer man gewissen Dingen nachforscht , um so wickelter werden sie , während ein oberflächliches Denken dabei durchaus keine Schwierigkeiten findet . So ist auch das eigne Ich dem Kinde und dem gemeinen Manne wegs etwas Unbekanntes . Im Gegenteil . Andre Dinge muss ich erst durch lange Erfahrung , vieles Probiren , Oeffnen , Zerschlagen kennen lernen , damit ich weiß , was sie sind . Andre Personen muss ich erst fragen , wer sie sind und was sie denken , fühlen oder wollen , und auch wenn sie antworten , ist es noch zweifelhaft , ob sie sich so geben , wie sie sind . Hingegen wer ich bin , was in mir vorgeht , ist mir bar bekannt . Das Ich scheint also das allerbekannteste zu sein .
	        
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