Volltext: Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft, 11.1880

Die ethische Idee der Vollkommenheit . 
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2 ) weil sie kein objectives Maß hat oder sogar überhaupt kein Maß , wonach sich ein Mehr und Minder ergäbe ; 
3 ) weil sie durchaus gar nicht als Idee formulirt werden kann . Der Begriff der Vollkommenheit , wie ihn Herbart bestimmt , bezeichnet gar nicht ein solches Verhältnis , wie eine ästhetische Idee es verlangt . 
Hiernach wäre die Aufgabe desjenigen , der dennoch die Idee der Vollkommenheit aufrecht erhalten will , dahin stimmt , zu zeigen : 
1 ) dass diese Idee nicht auf der bloßen Vergleichung zweier Quanta beruhe ; 
2 ) dass und wo sie ein objectives Maß habe ; 
3 ) dass sie auf einem Verhältnisse beruhe , welches die Anforderungen einer Idee erfüllt . 
II . Positive Darlegung . 
1 ) Die Vollkommenheit und die Quantität . 
Wenn wir eine pythagorische Neigung in uns verspürten , so könnten wir wohl einmal dem Gedanken nachgehen , dass Maß und Zahl , welche die Harmonie der Sphären - Musik bewirken , auch in dem sittlichen Leben wenigstens so viel Geltung hätten , dass sie als eine der ethischen Ideen gelten müssten . Dann aber wären wir durch die vorstehende Kritik wenigstens sogleich auf den Punkt versetzt , dass wir nicht glauben dürften , das große Haus , das große Bild sei schöner als das kleine ; sondern , wie wir schon wissen , Proportionen bilden das Schöne . 
Diese Erkenntnis ist nun zwar schon sehr förderlich , reicht aber doch nicht aus . Das Verhältnis des goldenen Schnittes kann sich in einer Linie darstellen , die mit den kleinsten Maßen gemessen wird , eben so wohl wie in solchen , welche die größten Maßstäbe zulassen . 
Kommt denn nun die bloße Größe , natürlich die pro - portionirt gegliederte , niemals in Betracht ? fällt sie bei der Beurteilung eines Kunstwerks niemals ins Gewicht ? Dies kann , meine ich , durchaus nicht behauptet werden . Der
	        
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