Volltext: Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft, 5.1868

Das Epos . 
13 
Ich behaupte demnach , der Unterschied der drei epischen Compositionsformen sei eben so absolut wie der der drei Sprach - formen , und besonders setze ich auch hier die scheidende Kluft nicht sowohl zwischen die erste und zweite , als vielmehr die zweite und dritte Form , während die erste der dritten nahe stehen kann . Wie ich das isolirende Chinesisch den kaukasischen Flexionssprachen zunächst stelle und weit über die agglutiniren - den Sprachen setze : so schätze ich auch die serbische isolirende Epik und besonders die homerischen Hymnen höher als die aggln - tinirten Romanzen . 
Die beiden ersten Formen haben meist einen lyrischen Cha - rakter , und auch dies bedeutet ihre niedere Stufe . Die serbische Epik ist wie das isolirte Lied der Griechen davon frei , und eine große , organische Epik ist in diesem Romanzen - Styl un - denkbar . 
Uebergangsformen , d . h . scheinbares Streben nach einer höhern Form , können wir wohl beachten . Wenn z . B . der Serbe viele Lieder hat von Marko dem Königssohne , wenn er in mehreren Liedern mehrere Schlachten desselben Krieges gegen die Türken besingt , so lassen sich diese zu einer Reihe zusammen - stellen . Diese Zusammenstellung wäre aber mehr Sache des Buchbinders ; und ich würde doch wieder fliegende Blätter aus machen . Denn von diesen Liedern weist keins aufs andere , und nicht einmal die Chronologie kann als Faden dienen , als höchstens insofern das Lied vom Tode Markos hinten , das von der Geburt vorn stehen müßte . Da ist doch im Cid schon in höherm Maße eine Reihenfolge auch innerlich vorgezeichnet . Nur sehe ich hierin keinen besonders werthvollen Vorzug . Da - gegen schlage ich es höher an , wenn in der Edda und bei den Kelten sich ein kleiner Kreis von zwei , drei , vier zusammenge - hörigen Liedern bildet , wie in den beiden Helgi - Liedern . Hier zerlegt sich eine einheitliche Handlung in mehrere Momente , die je in einem Liede besungen werden und sich zur höhern Ein - heit zusammenschließen . Die Edda als Ganzes hat eine Ten - denz in die zweite Form überzugehen . Denn man merkt , mit allen ihren Liedern soll die Göttergeburt , die Göttergeschichte und die Götterdämmerung ( Theogome und Weltuntergang )
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.