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Volltext: Die Entwicklung der historischen, volkskundlichen und Heimatmuseen während der Weimarer Republik

LJ . 
Agrarischer Fortschritt? 
Ee 
Zum Stand 
der Produktivkräfte 
in der 
Landwirtschaft 
Gilt für den Feudalismus allgemein, daB der Bauer von  überbietenden feudalherrlichen Schergen. Der groBe Hu- 
Grund- und Gutsherren als den Besitzern des Bodens  manist unserer Zeit, Hans Michael Moscherosch, läßt 
ökonomisch abhängig ist, so steigert die Refeudalisierung einen fingierten reuigen Adligen über sein bóses Tun so 
den Grad der Unfreiheit um ein Vielfaches. Im Prinzip sprechen: »O wehe, wie habe ich meiner armen Untertha- 
wirtschaftet dieser Bauer dennoch selbstündig, erarbeitet nen Schweiß und Blut durchgejagt, habe die geistlichen 
die Existenzmittel fiir sich und seine Familie — und er und Klostergiiter nicht zur Ehre Gottes, nicht zur Unter- 
schafft darüber hinaus ein Mehrprodukt, über das er haltung armer Stiftsschulen, nicht zum Trost betriibter 
nicht verfügt, das er »dem Herrn« abzuliefern hat. DaB — Witwen und Waisen, nicht für Siechháuser und Spitäler 
ein solches Ausbeutungssystem nur mit Zwang und Ge- angewandt, sondern alles mit Hofgelagen, Pracht, Kurz- 
walt funktionieren kann, ist eindeutig, und Lenin erklärte — weil, Jágereien und Narreteien durchgebracht! Wehe mir 
dazu: »Hátte der Gutsherr nicht unmittelbare Gewalt und ewig wehe, daB ich meine armen Bürger und Bauern 
über die Person des Bauern, so kónnte er einen Men- mit unertrüglichen Schatzungen bis auf den innersten 
schen mit Land und eigener Wirtschaft nicht zwingen, für Blutstropfen ausgesogen und solch Blutgeld zum Banket- 
ihn zu arbeiten. Notwendig ist daher ein auferókonomi-  tieren, Stolzieren, Turnieren, zum leichtfertigen Spielen 
scher Zwang ... Formen und Grade dieses Zwanges kón- und zur Üppigkeit auf Angaben meiner Fuchsschwünzer 
nen die mannigfaltigsten sein, von der Leibeigenschaft und Schmeichler angewendet habe! Wehe mir und ewig 
bis zur stándischen Rechtsbeschrünkung des Bauern.«?$  wehe, daB ich meine armen Bürger und Bauern mit uner- 
Auferókonomischer Zwang besteht also nur in Bezie- trüglichen Frondiensten bei dem tyrannischen und mehr 
hung zu ókonomischem Zwang, ist Anwendung von Ge- denn teuflischen Jagen und bei dem unnótigen Bauen be- 
walt, beeinflußt damit das Alltagsleben der werktütigen schwert habe! Wehe mir und ewig wehe, daB ich meinen 
Bauern, ruft deren Reaktion als Ausdruck des Klassen- henkerischen teuflischen Jägern gestattet, meine armen, 
kampfes in mancherlei Weise hervor und provoziert ôko- hungrigen, nackten, kranken, gebrechlichen Bauern im 
nomischen wie auBerókonomischen Widerstand. heiBen Sommer und eiskalten Winter auf die Berge, in 
AuBerókonomische Gewalt zur Durchsetzung auDer- die Thüler und Felder zu zwingen, und wenn sie langsam 
ókonomischen Zwangs ist in Art und Weise unglaublich kamen, die alten wie Schulkinder mit Dornen zu strei- 
vielfältig, rücksichtslos und unmenschlich. Dementspre- chen, die Haut mit Peitschen zu zerschlagen, wie Frösche 
chende Maßnahmen reichen von Konfiskationen, körper- mit Füßen zu zertreten, wie Bären mit Spießen zu zerste- 
lichen Strafen, Haft, hohen Geldbußen, härtester Fronar- chen, die Mädchen zu beschlafen, die Eheweiber zu ver- 
beit, gröblicher Verletzung der Flurordnung bis hin zu  unreinigen, die Knaben zu lühmen, die Dürftigen mit 
den Willkürakten der sich an Grausamkeit und Habgier Geldstrafen zu verderben! Wehe mir und ewig wehe, weil 
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