Eine Reise in Griechenland .
Haut und einen edlen , strengen Ausdruck , der keine Folge der Erziehung sein kann ; denn nur wenige von ihnen können lesen . Sie werden übrigens geachtet und nie mißhandelt ; eine Verführte wird von dem nächsten nach Landessitte dazu berechtigten Verwandten getödtet , und nur wenn es sich um ein Mädchen handelt , kann der Schuldige durch Heirath dem gewissen Tode entgehen . Uebrigens sind die Maniotinnen selbst im Stande , sich Achtung zu verschaffen : im Dorfe Kambos lebt noch heute die Erinnerung an einen deutschen Musikanten , der einer Frau einige Galanterien zu sagen wagte und von ihr stracks mit der Pistole erschossen wurde .
Flintenschüsse begleiten den Bewohner von Mani auf seinem ganzen Lebenswege von der Geburt bis zum Grabe .
Ist einem Manioten ein Knabe geboren , so geht er auf die Straße und zeigt es seiueu Verwandten und Freunden durch Flintenschüsse an , woraus diese die Höflichkeit zu den Fenstern heraus mit Gleichem erwidern . Der Neugeborene wird sofort von Kopf bis Fuß mit einer Mischung von Salz und Pfeffer abgerieben . Dann schneidet ihm der Pappas einige Haare ab , klebt dieselben mit Wachs von der Altarkerze zu - sammen und wirft sie in das Tauswasser , worauf man dem Kinde eiu Amnlet um den Hals hängt . Die ersten Jahre gehört es seiner Mutter , welche es in einem Sack aus Hammel - fell mit sich herumträgt , den sie bei der Feldarbeit an einen Baum , bei häuslichen Arbeiten an einen Nagel hängt . Vom zehnten Jahre an lernt der Knabe von seinem Vater , sich
Kardamyli .
an Vögeln und Hasen im Schießen zu üben ; aber der Unter - schied zwischen einem Hasen - und einem Menschenleben wird ihm nicht beigebracht . Mit zwanzig Jahren soll er sich Zwar zum Militärdienst stellen ; aber viele entziehen sich dem - selben ohne Weiteres und ohne daß die Regierung sie dazu anzuhalten versuchte . Und doch sind die wenigen gedienten Leute die einzigen Träger der Cnltnr und des Fortschritts " l Mani ; eine Anzahl derselben läßt sich später in Athen nieder , wo sie eine Art Corporation unter dem Befehle eines Häuptlings bilden .
Die Werbung besorgt der Vater des jungen Mannes und das Mädchen würde es für eine Schande ansehen , wenn der Bewerber selbst sich an sie wendete . Die Hochzeit wird lich mit Flintenschüssen gefeiert und fchließt mit einem Mahle , bei welchem man die Vorübergehenden aus den Fenstern mit
getrockneten Früchten bewirft . Nach Verlauf der acht Festtage müssen die Neuvermählten nochmals in die Kirche gehen . Nach dem Tode stellt man den Manioten mit unbedecktem Gesichte und die Waffen neben ihm aus und trägt ihn dann unter dem Geschrei der Männer und Weiber zn Grabe . Sosort uach dem letzten Athemznge werden alle Feuer im Hanse ausgelöscht und erst eine volle Woche später wieder angezündet ; während dieser Zeit bringen die Nachbarn der Familie das Essen und verzehren es mit ihr genieinschastlich , die Frauen natürlich erst , nachdem die Männer sich gesättigt haben . Ehe man den Sarg schließt , wird dem Todten ein Amnlet auf die Brust gelegt , und in manchen Dörfern erhält er außerdem , wie bei den alten Griechen , ein Brot und eine kleine Flasche Wein aus feine letzte Reife mit . Am letzten Tage segnet der Pappas einen Nagel , der alsdann in die