No Ifs, No Buts, No Education Cuts! 175
Wenn man wie dieser Artikel, die kritische Dimension eines Protests untersuchen will
und deshalb die Motive für die Teilnahme am Protest beleuchtet, so ist es sinnvoll, die
Motive anhand ihres kritischen Impetus zu unterscheiden. Hier ergeben sich zwei Ka-
tegorien, die der Einfachheit halber als primäre und sekundäre Motive benannt werden
sollen. Primär bezeichnet die offiziellen, politisch-rationalen Motive eines Protests wie
zum Beispiel den Kampf für Demokratie im Arabischen Frühling. Für die Studenten-
proteste 2010 wären die primären Ziele die Verhinderung der Erhöhung der Studien-
gebühren sowie der Kürzungen im Bildungssektor. Sekundäre Ziele bezeichnen alle
nicht-primären Ziele und beziehen sich vor allem auf die emotional-affektiven Ziele
wie Spaß, Gruppenidentität oder Abenteuerlust. Um genaueren Aufschluss über diese
Motive zu erhalten soll im Folgenden der Aufruf zur ersten Großdemonstration am 10.
November 2010 (Abb. 2) analysiert werden.
Abb. 2: Flyer der National Union of Students und der University and College Union
zur Demonstration am 10. 11. 2010.
Thematisch stellt der Flyer die Kürzungen im Bildungssektor in den Vordergrund
(„fight against the looming savage education cuts“) und damit einen der primären
Gründe. Ein weiterer angeführter primärer Grund ist die Sicherung des Zugangs zu ter-
tiärer Bildung („secure accessible further and higher education“), womit der Kampf
gegen erhöhte Studiengebühren und die resultierende Verschuldung der Graduierten
gemeint ist. Während die Forderung gegen Kürzungen als rein negativer, perspektivlo-
ser Aufruf zum Stopp erscheint („Stop education cuts“), wird die Sprache bezüglich
Studiengebühren merklich positiver. Es ist nicht das Ziel, Gebühren zu verhindern,