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Volltext: Oberammergau und sein Passionsspiel

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vor allem die bayerische Landeshauptstadt und auch die 
Eisenbahnen. Es ist ein Millionengewinn, der hier ein⸗ 
geheimst wird. Im Jahre 1900 berechneten allein die baye⸗ 
rischen Staatseisenbahnen ihren Profit aus den Passions⸗ 
spielen auf rund vier Millionen. Was sonst noch im Lande 
bleibt, entzieht sich jeder Berechnung. Und doch herrschen in 
vielen Kreisen Gleichgültigkeit, ja sogar offene Abneigung. 
Nur das Staatsministerium für Verkehrsangelegenheiten ge⸗ 
währt dem großen Unternehmen kräftige Unterstützung. Es 
sei daher dem hohen Chef desselben, Exzellenz Heinrich von 
Frauendorfer, an dieser Stelle der ehrerbietigste Dank der 
Einwohner von Oberammergau zum Ausdrucke gebracht. Ein 
Stein des Anstoßes ist besonders der Umstand, daß die Ein— 
trittskarten auf die einzelnen Familien des Ortes verteilt 
werden; würden dieselben aber dem freien Verkehre übergeben, 
dann hätte Oberammergau fast nichts, was doch wohl. nicht 
gut verlangt werden kann; mit den Billetten würde, wie es 
bis 1890 geschehen, auswärts der ärgste Wucher getrieben 
und die Spielbesucher hätten ohne Zweifel größere Auslagen, 
als wenn sie im Spielorte selbst übernachten. 
8. Tag einer Passionsauffuhrung. 
Schon an den vorausgehenden zwei bis drei Tagen wird 
es in dem sonst so stillen Orte lebendig; am Vorabende des 
Spieltages aber droht das Gedränge der Fußgänger, Auto⸗ 
mobile und Fuhrwerke aller Art an manchen Stellen fast 
beängstigend zu werden. Gleichwohl hat es bis jetzt noch 
nie einen größeren Unfall gegeben — und konnte man die 
Polizei noch immer entbehren. Nicht weniger als sechsmal 
mußte im Jahre 1900 drei Tage hintereinander gespielt werden, 
am 16., 17., 18. Juni — am 22., 23., 24. Juli — am
	        
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