Der Schutzgeist von Oberammergau.
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gefällig zu sein, so würden Sie meinem Egoismus weniger
Dankbarkeit zollen. Doch, ich will Sie nicht länger stören.
Hoffentlich kömmen Ihre Verwandten bald und Sie, Traudl,
nicht wahr, Sie lassen's dem Fräulein an nichts fehlen?“
„G'wiß it,“ entgegnete diese.
Rosine that es nicht anders, als daß sie Josef den
Betrag für die Eintrittskarten sogleich aushändigte, bei
welcher Gelegenheit dieser ihre Hand ergriff und drückte.
Er fühlte einen leisen Gegendruck — eine nie geahnte
Seligkeit durchströmte beide in diesem Augenblicke. Sie
blickten sich einen Moment in die Augen — dann eilte
Josef glücklich von dannen.
Rosine strich sich über die Stirne und sich aufs Sopha
werfend, sah sie errötend in das freundliche Gesicht Traudls,
die sich neben sie setzte und erst leise, dann mit anschwellendem
Tone nun die weiteren Verse aus dem Hohenliede sang:
„Geliebte! ach, was fühle ich,
Wie ist mein Herz beklommen!
Geliebte Freundin, tröste dich,
Dein Freund wird wieder kommen.
O harre — Freundin; bald kommt er,
Schlingt sich an deine Seite,
Dann trübet keine Wolke mehr
Des Wiedersehens Freude!“
Rosine hatte sich an des treuherzigen Mädchens Brust
gelehnt und — weinte. Es waren Thränen der Freude
und dieser Thränenstrom war gleichsam die Taufe ihrer
erwachenden Liebe, eines unnennbaren Glückes!
RNa