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Asien.
Volkscharakter keinen besonderen Einfluß aus, sondern sind dem Chineseutum
mehr und mehr angenähert. —
Haben sich doch von der Zähigkeit, Ausdauer und Widerstandskraft des
Chinesentums auch die ihnen an Machtmitteln überlegenen Europäer im Laufe
der Jahrhunderte oft genug überzeugen können. Die Chinesen sind oft empfind—
lich geschlagen worden, sie sind im Auslande oft rücksichtslos verdrängt und
haben im ganzen als „notwendiges Übel“ doch an Boden gewonnen. Die
Abbildung 1898. Chinesen in gewöhnlicher Tracht.
ersten Europäer, mit denen die Chinesen in Berührung kamen, waren die
Portugiesen. Sie gewannen zeitweilig dank der Klugheit ihrer Jesuitenmissionare
nicht unbedeutenden Einfluß, waren aber doch bald auf die Inselstation Macao
vor der Mündung des Hsikiang beschränkt. Den Europäern war lange Zeit nur
der Hafen von Canton geöffnet, wo sich besonders Engländer und Franzosen
festsetzten. Jede weitere Eröffnung chinesischer Häfen mußte durch Waffengewalt
erzwungen werden. Betrachten wir die Geschichte der auswärtigen Beziehungen
Chinas im 19. Jahrhundert, so erscheint sie uns als eine Kette von Demütigungen
und Niederlagen, doch haben die Chinesen in dieser Zeit nicht nur die furcht⸗
bare Taipingrebellion im Innern überwunden, sondern auch über Innerasien ihre