lll. Kleine Mitteilungen
Afrika -Expedition des Hamburgischen Museums tür Völkerkunde
Der nachstehende Zwischenbericht wurde uns von
Herrn Dr. Dittmer auf Wunsch der Schriftleitung
liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt.
Zwischenbericht
Unsere Expedition — bestehend aus Dr. K. Dittmer (Hamburg) und
Dr. J. Zwernemann (Mainz) — arbeitet nun ein halbes Jahr in Haute Volta,
Afrique Occidentale Francaise. Dank der alle Erwartungen übertreffenden liebens-
würdigen Aufnahme durch die Regierung und alle ihre Funktionáre wie die Kollegen
des Institut Francais d'Afrique Noire, die uns jede mógliche Hilfe und
Unterstützung gewáhren, konnten alle aufgetretenen Schwierigkeiten überwunden und
erfolgreich gearbeitet werden.
Als Studienobjekt wurden in Übereinkunft mit dem Direktor des I. F. A. N., Herrn
Professor Th. Monod, die Gurunsi gewdhlt, deren Siedlungsgebiet sich in einem
Winkel westlich und südlich von Ouagadougou zwischen Schwarzer und Roter Volta
bis in den Norden von Goldcoast hinein erstreckt. Aus neuerer Zeit liegen noch keine
detaillierten und exakten vólkerkundlichen Monographien über sie vor. Ein an sich
erwünschtes stationáres Arbeiten unserer Expedition in nur einem Dorf erwies sich aus
verschiedenen Gründen als undurchführbar: Bereits eine erste mehrwóchige Tournee
durch das gesamte Gurunsi-Gebiet unter Führung des Geographen und Sub-
direktors des Centre I. F. A. N. in Ouagadougou, M. G. Savonnet, hatte
bestátigt, daB trotz ihrer Zugehórigkeit zu einer engeren Sprachfamilie betráchtliche
kulturelle Unterschiede nicht nur zwischen den einzelnen Gurunsi-Stámmen be-
stehen, sondern auch innerhalb dieser zwischen jedem Gau (Canton). Die Auswahl
eines für eine größere Gruppe wirklich charakteristischen und kennzeichnenden Dorfes
für lange stationáre Feldarbeit ist also nur nach Gewinnung eingehender Kenntnisse
des gesamten Gebietes móglich. Da ferner die fremdvólkischen Nachbarn in verschie-
denem Maße auf die Gurunsi einwirk(t)en, sind einige Studien unter diesen zur
Abgrenzung des eigenen Kulturgutes der G. von Fremdeinflüssen unerláflich. SchlieB-
lich verbietet sich ein ununterbrochen langer Aufenthalt an einem Ort schon deshalb,
weil es bei diesen Steppenbauern aufer einigen teuren und mageren Hühnern hóch-
stens noch ungemahlene Hirse zu kaufen gibt, die Mitnahme (von Konserven und
sonstiger) haltbarer Nahrungsmittel sowie von Brennstoffen für Kocher, Lampen und
Wagen aber nur in beschránktem Umfang móglich ist.
So ergab sich als unsere Arbeitsweise zwangsläufig: Durchschnittlich dreiwóchige
Tournees in ein jeweils anderes engbegrenztes Gebiet (während der nun zu Ende
gegangenen Trockenzeit zunächst in später unpassierbare Regionen) zum Studium des
Wirtschaftens und Hausens, zufällig sich ergebender oder absichtlich herbeigeführter
Feste und Kulthandlungen usw., Ausquetschen von Gewährsleuten über sämtliche
Lebensbereiche, zur Anlegung ethnographischer Sammlungen (bis jetzt für Ham-
burgisches Museum für Vólkerkunde und I. F. A. N. zusammen 875
Gegenstánde erworben und an Ort und Stelle etikettiert) und zu linguistischen Unter-