ANTHROPOS
111.2016: 21-47
Die kongolesischen sapeurs
zwischen Marginalisierung und celebrity Kult
[lsemargret Luttmann
Abstract. — This article outlines the continuities and the modifi-
zations of the socio-cultural movement of the Congolese dandies,
ar sapeurs as they call themselves. They have become the object
f extensive global media coverage in recent years. I shall argue
that the sapeurs themselves made use of the digital media tech-
nology to achieve the status of stars which they used for social
advancement in concordance with the logic of the local economy
»f prestige. Their active exploitation of global media representa-
10n is seen as a novel resource for social reproduction following
‚he breakdown of the economy of fraud. [DR Congo, fashion, mi-
gration, marginalisation, image of masculinity, media, modern
consumption, diaspora]
Asemargret Luttmann, Dr. phil., Historikerin, Lehrbeauftrag-
:e an der Leuphana Universität Lüneburg. — Forschungsschwer-
Junkte sind Tourismus, Kulturerbe und urbane Kulturen in Afri-
<a, afrikanischer Film, Globalisierung der Mode. — Publikationen
3. Zitierte Literatur.
[f by chance every woman in france decided to
wear arab [veils] or the hijab the french govern-
ment would banish it for the sake of cultural pres-
zrvation. When i see articles on Africa of smiling
negroes in bright coloured suits, i see an aspect
>f fashion that i find ugly, it is blacks as fascina-
:jon and entertainment and i find that even more
‘han ugly, i find it extremely dull. Especially when
i know it is being digested by the fashion set, fa-
mous for [their] traditionally european mindset and
apathetic disregard for humanity (orin ink; 10.11.
2009, 5.29 Uhr, zit..in Chang 2009).
Dieser Kommentar aus einer Internetplattform steht
für die allgemeine Betroffenheit und die Heftigkeit
der emotionalen Reaktion, die die Performance
der kongolesischen sapeurs als schwarze Dandys
in westlichen Designeranzügen auf ein weltweites
Publikum auslöst. Warum tragen afrikanische Män-
ner westliche Mode, die sie einerseits zu Kopien
des westlichen Vorbilds werden lässt und dadurch
von ihrer afrikanischen Kultur entfremdet, während
sie sich andererseits wegen ihrer Vorliebe für laute
Carben und schrille Inszenierungen dezidiert von
dem dezenten Original abgrenzen und sich damit
n den Augen des westlichen Betrachters zu Exo-
;en machen?
Die sapeur-Bewegung ist eine soziokulturelle
Erscheinung, die in den 70er Jahren im Milieu der
Kongolesischen Migranten entsteht, die nach Paris
zehen und später wieder in die Hauptstädte der bei-
den Kongo-Staaten,! Brazzaville und Kinshasa, zu-
rückkehren, Ihre Blütezeit erlebt sie während der
30er Jahre. Heutzutage sind die Adepten des Klei-
dungskults stark in der kongolesischen Diaspora
auf dem europäischen Kontinent in Paris, Brüssel
und London vertreten. Die Körperinszenierung die-
ser Männer erweist sich, gemessen an den Mode-
normen und sonstigen Standards der Kleidungs-
ästhetik, als einigermaßen speziell; sie irritiert, denn
sie widerspricht den konventionellen Vorstellungen
1 Brazzaville ist die Hauptstadt der früheren französischen
Kolonie Kongo, die heute den Namen Republik Kongo trägt,
ınd Kinshasa ist die Hauptstadt der ehemaligen belgischen
Kolonie Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kon-
go. Die beiden Metropolen sind nur durch den Fluss Kongo
voneinander getrennt. — Ich werde im folgenden Text undiffe-
‚enziert von den beiden Kongo-Staaten sprechen, da das Phä-
a„omen La Sape beide urbane Zentren gleichmäßig betrifft.