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Volltext: Globus, 81.1902

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Kleine Nachrichten. 
Bolle als Sitz für weltliche und geistliche Würdenträger, und 
ich glaube, wir brauchen ihn jetzt nach den vorgeschicht 
lichen Funden nicht mehr als „direkten Nachkommen des 
kurulischen Sessels“ der römischen Bepublik anzusprechen, 
sondern wir können ihn als urgermanisches Eigentum an- 
selien, als Hoheitszeichen, als Häuptlingsstuhl. Vielleicht 
verdankt er seine Form dem Umstande, dafs er dem Häupt 
ling zum Sitze des Gerichts, der Volksversammlung nachge 
tragen wurde. 
Die Bemerkung des Tacitus: „separatae singulis sedes et 
sua cuique mensa“ ist meines Erachtens, wie ich schon vor 
11 Jahren dargelegt habe, nicht dahin zu verstehen, dafs 
„jeder seinen abgesonderten Sitz, jeder seinen eigenen Tisch“ 
hatte. Die Germanen pflegten bis in das Mittelalter hinein 
an verschiedenen Tischen zu speisen, an denen jedem seiner 
Stellung zum Hausherrn, der den Ehrensitz einnahm, ent 
sprechend ein ganz bestimmter Platz zukam. Es offenbart 
sich darin das patriarchalische Verhältnis zwischen Herrn 
und Knecht, aber nicht ein spröder Individualismus wie beim 
Wohnen in Einzelhöfen. 
Soweit die unhaltbaren Anschauungen über die vorge 
schichtliche Kultur der Germanen in den späteren Abschnitten 
nicht noch nachwirken, bieten uns die Ausführungen Stephanis 
ein klares, und, soweit siclis beim heutigen Stande der For 
schung übersehen läfst, zuverlässiges Bild von dem deutschen 
Wohnbau und seiner Einrichtung. Es darf hier auch nicht 
verschwiegen bleiben, dafs der Verfasser mit aufserordent- 
licher Sorgfalt selbst weit abgelegene Zeugnisse litterarischer 
Quellen für sein Thema herangezogen hat, so dafs allein da 
durch schon sein Buch dauernden Wert erhält. 
In Kapitel II werden die ersten Spuren starnmesverschie- 
dener Wohnbauten vor und während der Völkerwanderung, 
sowohl die der West- wie der Ostgermanen, unter Hervor 
hebung und scharfer Beobachtung fremder Einflüsse be 
handelt. Bei den Alamannen zieht Stephani naturgemäfs das 
römische Bauernhaus in den Kreis seiner Betrachtung, dem 
er eine ausführliche Beschreibung widmet, kommt aber zu 
dem richtigen Ergebnis, dafs die Bömerbauten keinen tief 
gehenden Einflufs auf die germanische Bauweise ausgeübt 
haben, dafs diese in ihrem eigentlichen Charakter nicht be 
rührt worden ist. 
Kapitel III behandelt den germanischen Wohnbau unter 
römischem Einflufs auf fremder Erde während und nach der 
Völkerwanderung und Kapitel IV den entwickelten stammes 
verschiedenen Wohnbau auf heimatlichem und fremdem 
Boden nach der Völkerwanderung. Mit dieser Anordnung 
kann ich mich nur einverstanden erklären, sie entspringt mit 
innerer Notwendigkeit dem gesamten Stoffgebiete und er 
leichtert die Benutzung des glatt geschriebenen Buches. Mein 
Gesamturteil würde, wenn die Vorgeschichte in anderem 
Sinne aufgefafst wäre, ein höchst anerkennendes sein. 
Braunschweig. Dr. F. Fuhse. 
Kleine Nachrichten. 
Abdruck nur mit Quellenangabe gestattet. 
— Graf Wickenburgs Beise durch das afrikani 
sche Osthorn. Der österreichische Husarenrittmeister Graf 
Eduard Wickenburg, der sich durch seine früheren Beisen 
auf der Somalhalbinsel und in Britisch-Ostafrika, sowie durch 
sein Buch darüber bereits vorteilhaft bekannt gemacht hat, 
befindet sich seit Januar 1901 wiederum in Ostafrika. Sein 
Zweck war diesmal zunächst eine Durchquerung der unbe 
kanntesten Teile des Osthorns und ein Besuch des Loriansees, 
in den sich der Guasso Njiro verliert, und das ist ihm auch 
geglückt. Aus seinen Mitteilungen an die Wiener geographi 
sche Gesellschaft geht folgendes hervor: Graf Wickenburg 
brach Ende Januar 1901 von Dschibuti nach Addis Abeba 
auf und ging von da Ende April die äthiopische Seenreihe 
südwärts bis zum Stefaniesee. Er besuchte mehrere dieser 
Seen, wie vor ihm Darragon, Smith, Böttego, Harrison, 
Wellby und Baron Erlanger, von deren Beisewegen er jedoch 
vielfach abwich, so dafs auch dieser Teil seiner Marschroute 
geographisch nicht ergebnislos gewesen sein wird. Den 
Stefaniesee fand Graf Wickenburg, wie vor ihm Harrison 
(Globus Bd. 80, S. 232), im Austrocknen begriffen und nur 
in seiner nördlichen Hälfte mit ganz ungeniefsbarem salzigen 
Wasser gefüllt, so dafs die Inseln trockenen Fufses erreicht 
werden konnten. Ende Juli erfolgte der Aufbruch nach dem 
unbekannten Süden. Graf Wickenburg durchzog wasserlose, 
unbewohnte Gegenden und kam dann in dürres Steppenland, 
das schliefslich in eine Steinwüste überging. Am 8. August 
fand Graf Wickenburg in der 1500 m hohen Huribergkette 
Wasser, worauf er, einige Tage nordöstlich marschierend, sich 
am Foroliberg (etwa 2000 m Höhe) bei dem Stamm der Gabra- 
Galla mit Tragtieren versah; er zog dann einer Beihe iso 
lierter Berge entlang nach Südwesten, kam aber wieder in 
eine wasserlose Wüste und mufste, da sie sich anscheinend 
bis zum Dschuba erstreckte, seine Marschrichtung ändern. 
Er wanderte nun den 1895 von Smith entdeckten Marsabit- 
bergen zu, besuchte den nördlich davon liegenden Korole 
(kein Berg, wie Smith erkundet hatte, sondern ein trockenes 
Seebett) und gelangte auf bekannten Wegen an den Guasso 
Njiro. Weiter ging es nun diesen entlang zum Loriansumpf, 
der auch glücklich erreicht wurde, aber gröfstenteils ausge 
trocknet war. Von da zog Graf Wickenburg südwärts zum 
Tana und diesen hinunter nach Lamu an die Küste, wo er 
Ende Oktober anlangte. Jetzt ist Graf Wickenburg wieder 
unterwegs, um zwischen Budolfsee und Nil nach Lado oder 
Faschoda vorzudringen. 
— Die Beziehungen zwischen Innenform und 
Aufsenform des Schädels legt G. Schwalbe dar (Deutsch. 
Archiv, f. klin. Med., Bd. 73, 1902). Entgegen der herrschen 
den Meinung kann recht wohl ein Teil des Hirnreliefs auf 
der Aufsenfläche des Schädels erkannt werden und zwar gerade 
besonders deutlich an den mit Muskeln bedeckten Teilen, 
speziell an der Schläfenregion, wo nicht weniger als vier 
Windungszüge der Grofsliirnoberfläche auf das deutlichste 
als Prominenzen zur Abbildung gelangen können. Vielleicht 
gelingt es, noch weitere Windungserhebungen nach hinten 
von der Protuberanz der dritten Stirnwindung und nach oben 
und hinten von den Wülsten der Schläfen Windungen inner 
halb der inneren Schläfenlinie zu finden. Wie dem aber 
auch sein mag, für das Studium der kraniocerebralen Topo 
graphie bieten die vom Verfasser beschriebenen Wülste will 
kommene Marken, obwohl sie nicht bei allen Individuen 
gleich deutlich sind und überdies erst durch Haut und 
Temporalmuskel hindurch palpiert werden müssen. Letzteres 
bietet kein grofses Hindernis dar, fortgesetzte Übung erreicht 
hier viel. Noch nach einer anderen Bichtung hat die Auf 
findung der Aufsenwülste des Schädels ein hohes Interesse. 
Hier haben wir die von Gail für seine Organe konstatierten 
Buckel und Wülste in die Sprache der modernen Hirn 
anatomie übersetzt. Mit gewissem Becht könnte man die 
Protuberanz der dritten Stirnwindung als die Protuberanz 
des Sprachzentrums bezeichnen. Sofern man nicht davon 
ausgeht, dafs eine hervorragende Ausbildung des Sprach- 
vermögens auch eine stärkere Hervorwölbung der betreffenden 
Schädelregion bei gewöhnlichen Leuten liervorrufen müsse, 
kann man nichts gegen die physiologische Bezeichnung der 
betreffenden Protuberanz einwenden. Anders wird es, wenn 
man die Meinung vertreten wollte, dafs eine besonders starke 
Ausbildung jener Wülste stets von einer hervorragenden 
anatomischen und physiologischen Entwickelung der unter 
liegenden Windung abhängig sei. 
— Weitere Aufnahmen im Gebiete der west 
lichen Ubangizuflüsse. Auf S. 248 des vorigen Globus 
bandes erwähnten wir Fredons und Cadenats Fahrten auf 
den Ubanginebenflüssen Bali-Lobai und Ibenga. Ihre Auf 
nahmen sind im Herbst vorigen Jahres durch zwei andere 
französische Agenten, Pauwel, den Verwalter von Bangi, und 
Bourgeau, den Direktor der Lobaikompagnie, vervollständigt 
worden. Sie verliefsen am 1. September 1901 den Posten 
Mongumba oberhalb der Mündung des Lobai, fuhren diesen 
hinauf und wanderten über die Wasserscheide zum Sangha 
nach Cärnot (Ankunft 21. Oktober). Der Bückweg, der An 
fang Dezember von Bania aus angetreten wurde, verlief süd 
licher, über Land, wobei das Quellgebiet des Ibenga gekreuzt 
wurde. Das Ergebnis dieser und der erwähnten älteren Beisen 
ist, dafs das Stromsystem des Lobai eine weit gröfsere Aus 
dehnung gewinnt, als ihm bisher auf den Karten zugewiesen 
wurde; denn die Flüsse Bali, Baere, Loka und Modengue, die 
Wauters noch auf seiner letzten „Carte de l’État indépendant 
du Congo“ dem Ibenga zuführte, sind alles Quellarine des 
Lobai, der noch oberhalb seiner Fälle (18° östl. L.) eine 
Breite von 250 m hat. Andererseits schrumpft das Gebiet 
seines Nachbarstromes Ibenga in demselben Verhältnis zu 
sammen. 
Verantwortl. Redakteur: Dr. R. Andree, Braunschweig, Fallerslebevthor-Promenade 13.— Druck: Friedr. Vieweg u. Sohn, Braunschweig.
	        
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