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Siegfried Kube
Kopfbedeckung hinzu. Nach 1500 scheinen in Sachsen Bergleder und Kniebügel auf-
gekommen zu sein. Die so charakteristisch geprägte Berufstracht wird über den Bereich
eigentlicher Bergmannsarbeit hinausgreifend Zeichen der Zugehörigkeit zum Bergbau
überhaupt. Älteste der Knappen und vornehme Bergverwandte werden in Böhmen durch
weite Ärmel und bordierte Gugeln ausgezeichnet; für Sachsen kennen wir zwar den weiten
Ärmel nicht, wohl aber einfache und goldene Gugelbordierung. Der weiße Kittel ist in zere
monieller Funktion bei Prozessionen und Begängnissen auch in Sachsen zu vermuten.
Für die historische Trachtenforschung haben Bildquellen besondere Bedeutung. Olga
SkalnIkovä (Prag) referierte über die aus dem Staatsarchiv Brno (Brünn) stammende
sogenannte „Schnitzer-Handschrift“; diese erscheint als eine von Abraham Schnitzer
verfertigte Kopie des Georg STURTZschen Speculum metallorum, wobei der erste Teil auf
Rülein von Calw, der zweite auf das Schwazer Bergbuch zurückgeht und der dritte Teil aus
Handschriften des späten 16. Jhs zum Hüttenwesen besteht. Inwieweit die Illustrationen
über die bergmännischen Kostüme des sächsisch-böhmischen Raumes entscheidende
Aufschlüsse zu geben vermögen, bedarf noch der Klärung. Als weiteren trachtenkundlichen
Quellenkomplex führte die Ref. figürliche Darstellungen auf Montankarten des 18. Jhs vor.
Nach den Ausführungen Siegfried Kubes (Dresden) über Siedeln und Wohnen sächsi
scher Erzbergleute (s. S. 307) wandten sich die Erörterungen Joachimsthal (Jächymov) zu.
Die territoriale Zwischenstellung, die diese Bergstadt in der Blütezeit einnahm, sichert
ihr das Interesse sowohl der deutschen als auch der tschechischen Forscher. Väclav HusA
orientierte über neue tschechische Versuche, die beiden dem Knappenaufstand von 15 2 5
vorausgehenden Erhebungen auf 1518 und 1523 zu fixieren; 1521 wäre wohl kein eigent
licher Aufstand gewesen, aber Unruhen im Zusammenhang mit einer Reise Thomas
Müntzers durch Joachimsthal ließen sich vermuten.
Die Ausführungen Walter Vogels (Dresden) befaßten sich mit der in den Predigte 0
des Joachimsthaler Pfarrers Johann Mathesius entwickelten Bergbauallegorie (s. S. 3 5off-)-
Am Schluß der Tagung rückten die Referate von Frau Skalnikovä : Kultur der Berg
leute in tschechischen Revieren des 18 . und 19 . Jhs und von Karel FojtIk (Brno) einig 6
methodische Grundfragen in das Blickfeld der Teilnehmer. S. legte dar, wie es der tschechi'
sehen Bergbauethnographie gegenwärtig darauf ankomme, regressiv von vorläufig
abgeschlossenen, umfassenden monographischen Terrainbefunden aus kulturgeschichtliche
Kenntnis über die dahinterliegende Epoche zu erlangen. FojtIk ( Der gegenwärtige Stand dC
ethnographischen Forschungen in den mährischen Industriegebieten mit besonderer Berück
sichtigung der Bergbaureviere) berichtete über die mit eingehender Feldforschung verbundene 0
Untersuchungen im mährischen Kohlegebiet von Rosice-Oslavany. Die bergbauliche Erd'
wicklung reicht hier nicht über das 19. Jh. zurück; Archivstudien ermöglichten, die Da*'
Stellung monographisch von den Anfängen her zu entfalten. Es ließ sich dabei gut zeig 60 ’
wie bergmännisches Standesbewußtsein und das Solidaritätsgefühl streikender GrubeO'
belegschaften schließlich in echtes proletarisches Klassenbewußtsein Umschlägen. Als eige ot '
liches Problem ergab die anschließende Diskussion die Frage, inwieweit die oben genannt
ethnographische Methode auch für volkskundliche Forschungen in modernen Industrie
bezirken tauglich sei. Auf Schwierigkeiten und Bedenken wurde in der Diskussion nac°
drücklich hingewiesen. j
Das Schlußwort konnte feststellen, daß die Arbeitstagung in vieler Hinsicht anrege°
gewirkt hat. Sichtbar sei geworden, wie ergiebig eine enge Zusammenarbeit zwisch^ 0
Bergmannsvolkskunde und Bergbaugeschichte sein kann und wie viele Probleme der F° r
schung in der ÖSR und in Deutschland gemeinsam aufgegeben sind.
Eine Reihe Vereinbarungen über künftige Zusammenarbeit wurde getroffen.