an:
‚931
alluvial angesprochen hat, was Herrn OTTO HERMAN
zar nicht gefiel, was aber Herr Chefgeologe L. Vv. RoTH
bestätigte und erst später nach den Entgegnungen
des Herrn Herman dazufügte, es könnte‘ auch älteres
Alluvium sein, fühle ich mich berechtigt, betreffs des
geologischen Alters den Zweifel zu zerstreuen und den
gelben, mit Quarzkörnchen durchsetzten Lehm, der als
solcher dargestellt wurde, dass in diesem die Silex-
Gegenstände gefunden wurden, für einen recenten,
alluvialen zu bestimmen, Gegen ein diluviales (quater-
näres) Alter spricht sowohl die Lage des Fundortes,
das Terrain, als auch der petrographische Charakter
des Materiales.
5. Herr Bürgerschullehrer Hubert Zwirner in Retz
berichtet über im Monate Juni 1893 gemachte
Prähistorische Funde in Retz.
Beim Baue des neuen Post- und Telegraphen-
zebäudes stiess man in einer Tiefe von etwa 12 m auf
zwei ziemlich ausgedehnte Fundstellen, von denen die
aine ganz, die andere, einer zu befürchtenden Erd-
bewegung wegen, nur theilweise ausgebeutet werden
konnte. Merkwürdig ist die erste Fundstelle dadurch,
dass man beim Grundausheben zuerst auf eine etwa
2 m im Durchmesser messende, brunnenförmige, 5-—6 m
tiefe, mit lockerem Sande ausgefüllte Röhre ‚stiess,
auf deren Grunde und dem benachbarten, auffallend
achwarzaschig durchsetzten Sandboden sich zahlreiche
Gefässe, als: Krüge, grosse und kleine Näpfe, Vasen
und urnenförmige Gefässe mit dicken, wulstigen Rändern.
theils mit, theils ohne Henkel, nebst zahlreichen Speise
resten von verschiedenen Thieren (Hunden, Ziegen,
Schafen, Hasen) und viele Scherben etc, vorfanden,
Es war mir leider der rasch vor sich gehenden
Arbeiten wegen nicht mehr möglich, bei Ausbeutung
der Fundstelle zugegen zu sein, und ist die Bergung
Jer Gefässe dem Herrn Bürgermeister SLABY und Herrn
Aroıs RıcHTER, von welchen ich auch die Situation
erfuhr, zu verdanken. Die zweite Fundstelle, welche ich,
soweit es die Verhältnisse erlaubten, im Vereine mit
Herrn AıLoıs RıcareER hob, ergab noch einige schöne
Urnen und einen grossen, wulstigen Rand einer Kessel-
urne, sowie eine Menge der verschiedensten Thier-
knochen, zumeist von Hunden und Schafen. In einem
der Gefässe fand sich bei Entleerung des Inhaltes ein
Pferdegebiss aus Eisen, Es ist zu bedauern, dass die
zweite, dem Anscheine nach bei weitem grössere Fund-
stelle durch die sich ergebenden Erdrutschungen nicht
ganz ausgebeutet werden konnte; gewiss hätte sie noch
ziel Werthvolles für die Wissenschaft zu Tage gefördert.
Die Gefässe sind zum Theile aus freier Hand, zum
Theile aber schon auf der Drehscheibe gearbeitet, ohne
Ornamente, meist graphitirt und gut gebrannt. Auf-
fallend sind die in der Form von allen anderen, hier
zemachten Funden abweichenden, roth gebrannten
Krüge mit flaschenförmigem Halse, drei Ausgüssen
/Schneuzeln), nach unten sich verengendem Bauche
und einem Henkel. Jedenfalls dienten diese zu Trink-
zefässen und Wasserbehältern. Vor einigen Jahren fand
man dieselbe Form gelegentlich einer Kellerauswölbung
im Hause des Herrn PAPPERT. ;
Sämmtliche Funde wurden dem Retzer städtischen
Alterthumscabinete einverleibt.
6. Herr Dr. Heinrich Matiegka in Smichow über-
sendet eine Notiz über
Böhmische Schädel aus dem XVI. Jahrhundert.
Als im Jänner 1890 auf Kosten der Prager Stadt-
zemeinde die Ueberreste der ehemaligen Marienkirche
‘neben der jetzigen Teynkirche in Prag) und der unter
Jieser Kirche befindlichen Gruft aufgedeckt wurden,
;tiess man auf eine grosse Anzahl von Skeletten, die
heils in gemauerten Grüften, zum grössten Theile aber
m blossen Schutt, und zwar dicht nebeneinander ge-
agert waren. Alle Umstände sprachen dafür, dass sie
us einer Zeit stammten, in der Prag von einer
Zpidemie heimgesucht war, und zwar, nach den Münz-
'unden zu schliessen, aus der ersten Hälfte des
{VL Jahrhunderts; Herr Ingenieur J, HzEraIiy, der den
szanzen Befund in den „Pamätky archxol,“, XV, S. 133
jeq“ beschrieb, weist mit grösster Wahrscheinlichkeit
ıuf das Jahr 1520 hin, in welchem eine Pest-Epidemie
in Prag herrschte,
Spät verständigt, gelang es mir doch, noch zwanzig
Schädel zu untersuchen und zu messen, deren ge-
1auere Beschreibung unter dem Titel „Lebky GCesk6 z
ZVI. stolete Crania bohemica s@culi XVI.“ in den
‚Rozpravy Cesk6 Akademie Cisafe Frantiska Josefa,
Z0Enik II, Trida II, Co. 22, 1893 (Abhandlungen der
jöhmischen Akademie)“ erschienen ist. Ich erlaube
nir, hier ein kurzes Resume zu geben und verweise
netreffs der Details und der Maasse auf die Original-
ırbeit und die derselben angeschlossenen, mit französi-
schen Bezeichnungen versehenen Tabellen.
Zehn von den Schädeln gehören erwachsenen Männern,
*ünf erwachsenen Weibern, zwei Jünglingen (sechzehn-
jis zwanzigjährigen), zwei Mädchen (sechzehn- bis
zwanzigjährigen) und einer einem Kinde von zwölf bis
jerzehn Jahren an.
Was die Schädelformen betrifft, so wies ein Schädel
5%) den germanischen Reihengräbertypus, fünfzehn
75%) den Libeaner (HönnEr’s sarmatischen) Typus
ınd vier (20°) den Hradsker (HönLDEr’s turanischen)
Pypus auf, Im Vergleiche zu dem Verhältnisse, in dem
lie verschiedenen Schädelformen in böhmischen Grab-
tätten der Burgwall-Periode vertreten sind, haben die
zurzen Schädelformen sehr zu-, die langen sehr ab-
zenommen; ja, die extrem lange Form (Index: bis 70),
lie unter den Schädeln der Burgwall-Periode noch in
45°, vertreten war (Crania bohemica, I), fehlt unter
len Schädeln des XVI. Jahrhunderts schon vollständig.
Diese Abnahme der langen Formen setzt sich bis auf
ınsere Tage fort, da unter der jetzigen Bevölkerung
auch schon jene 5°, vom germanischen Reihengräber-
'ypus verschwunden sind, wenigstens nach den Befunden
in einzelnen Beinhäusern zu schliessen, wie nach dem
n Senftenberg (vgl. Dr. NırperıLe, Mitth. d. Anthrop.
Yes, in Wien. Sitzungsber. 1892. S 82). wo nur die