Auf Java .
geht auf einen entzückenden Garten , in dessen zwei kleinen Seen sich die großen weißen Blüthenkronen und die kolossa - len . über 6 Fuß im Durchmesser großen Blätter der Victo - ria Regia ausbreiten ; riefige Bambu in verschiedenen Far - den rauschen und flüstern im Winde ; die Perle von Buiten - zorg aber ist seine Palmensammlung ; es ist dies die vollständigste der ganzen Welt .
Nach seiner Rückkehr uach Batavia und Beendigung seiner Messungen machte sich Charnay auf die Reise nach Samarang , von wo er nach So erakarta oder Solo weiter - gehen sollte , eine Fahrt von 36 Stunden . Zu Lande ist die Reise bedeutend interessanter , aber auch viel theurer und viel länger , und da er nicht viel Zeit hatte , ent - schloß er sich , die Fahrt zur See zu machen . So fuhr er am 13 .
Juli ab und kam am 16 . Nach - mittags auf der Rhede von Sa - marang an . Wie in Batavia dieselben niedrigen und sumpfigen User ; die ganze Nordküste Javas bietet denselben Anblick dar . wäh - rend im Gegentheil die südliche selsig ist und die Wogen des In - dischen Oceans sich an den Strand - flippen brechen .
Weniger groß als Batavia und weniger schön , ist Samarang doch eiue recht hübsche Stadt ;
Alleen , Vegetation , Häuser , alles im selben Stile , nur etwas we - uiger majestätisch . Was aber be - deutend anders ist , das ist die Bevölkerung ; hier trifft man viel mehr Araber , die an dieser Seite der Insel den Chinesen den Rang streitig machen . Bei den Man - nern ist durch deu Sarong , das Tuchgewand und die geflügelte Kopfbedeckung die kleine Hose , die Eabaja und das platte Tuch des Malaien verdrängt ; so angethan mit dem Kriß ( Dolch ) im Gürtel , schreitet der javanische Kaufmann oder Besitzer steis , abgemessen , schweigsam einher : eine traurige Natur , auf der ein Joch lastet .
Die Umgebungen von Sama - rang sind eben ; ekle Düfte steigen ans den Sümpfen empor , die bei jeder Flnth die Meeresgewässer überschwemmen ; die Stadt ist uu - gesund . Um die Eisenbahn nach Soerakarta zu erreichen , durch - schreitet man eine schlammige Ebene und fährt eine halbe Stunde lang mitten durch niedrige , feuchte Gründe , die kei - nen Reiz haben als ihre großen Bambuhecken .
Fünf Stunden braucht man , um nach Soerakarta zu ge - langen . Bald steigt der Weg , aber der unregelmäßig an - schwellende Boden begrenzt den Blick ; grünende Hügel , eine steinerne Mauer oder ein Bambugebüsch verdecken jeden Augenblick die Landschaft ; endlich erreicht man einen ziem - lich ärmlichen Wald von gleichen breitblättrigen Bäumen ; es ist der Teakbaum , dessen Holz für Bauzwecke in den heißen
Corypha elata im Palmengarten von Bnitenzorg .
Ländern sehr gesucht ist . Nun tritt die Bahn in die Ebene hinein ; hier wird alles freundlicher ; mit jedem Schritt wird die Kultur reicher ; die Landschaft dehnt sich aus und in der Ferne tauchen die bläulichen Spitzen der drei Vulkane auf , die ungefähr den Mittelpunkt der Insel einnehmen . - links der Lawoe , rechts der Merapi und der Merbaboe . Mit dem Eintritt in die Residenz Soerakarta öffnet sich ein Paradies von Reichthum uud Wunder , wie es schwer zu schildern .
Auf leicht gewellter Ebene leuchten aus dem reichsten Grün unzählige Dörfer hervor ; gigan - tische Bambus bilden den Umkreis , während die einzelnen Gebäude von Brotbaumen , Kokos - , Baua - nen - und Arekapalmen beschattet werden . Ueberall ist der Boden durch Plateaus in allen Größen nivellirt , so daß nicht ein Zoll breit Erde unbenutzt bleibt und kein Tropfen Wasser , welches sich in Tausenden von Kanälen über diese großen und kleinen Flächen ergießt , verloren geht . Ueberall Reisfelder in den verschiedensten Stadien , dazwischen Zuckerrohr - , Taback - , Maniok - uud Indigo - Pflanzungen . Eine Unmenge Ar - beiter beleben das Feld , Zucker - rohrschueider , Reispflanzerinnen , Wagenführer ; schwarze Büffel und blonde Zebus tragen auf ihrem Rücken Kinder , die sie be - wachen ; kleine Mädchen in Evas - kostüm hüten Gänse und bilden , in diesem reinen Lichte und dem saftgrünen Nahmen , Bilder , die man nie vergißt . Und das ist nicht etwa ein Punkt , sondern ein langes Panorama , welches sich auf mehr als 20 Stunden weit dem erstaunten Auge des Reisen - den darbietet .
Solo oder Soerakarta ist die javanische Stadt im lichen Sinne des Wortes , die hei - lige Stadt , die Residenz des Kaisers und Sultans von Java , des Nachkommen der Kaiser von Mataram . Es ist auch die Re - sideuz des Maugku - Nagoro , eines ebenfalls — natürlich ter der Oberhoheit der Holländer — selbständigen Fürsten .
Der Bahnhof ist 3 Kilo - meter von der Stadt entfernt ; auch diese Mühe wird überwunden und ein reizendes Hotel nimmt den Reisenden auf . Charuay's erster Besuch galt dem Residenten , für den er Empfehlungsbriefe hatte ; sein Palast ist kaum 50 Meter vom Hotel entfernt , aber die Eti - kette verlangt , sich zu Wagen und schwarz gekleidet zu ihm zu begeben . Derselbe — er spricht Französisch wie ein Pa - rtfer — empfing ihn mit gewinnendster Liebenswürdigkeit , versprach ihm Hülfe und Schutz und stellte ihm zu Aus - flügen in die Umgegend die Postpferde der Regierung zur Verfügung . Außerdem ließ er für ihn um eine Audienz