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Hamza
Abb. 2. Kistenbett,
wie es beim „Honi", Osterbauer Franz, Feistritz Nr. 41,
steht. Der Deckel (die Tafel) wird abgehoben und der Be«
treffende steigt „ins Bett". In der Lade sind feine Kleider
und Wäsche.
Schläfchen und als Tisch benützt werden kann. Kistenbetten finden sich noch hie und da
in den hiesigen Bauernhäusern, heute freilich nur mehr für den Stallbuben oder die Klein«
dirn u. ä. (Abb. 2). Die Fenster sind klein und waren früher viereckige Schiebefenster,
etwa 20 : 20 cm (Abb. 3).
Abb. 3. Schiebefenster.
Im Bauernhof Windbacher, Feistritz-Haöleiten Nr. 17, ist heute noch in
der Stube ein solches Fenster.
Die Formen der Bauernhöfe können genau zurückverfolgt werden bis zum Jahre 1820,
und zwar an Hand der Katastralmappenpläne, der Überlieferung, die bei einzelnen Höfen
noch viel weiter zurückreicht^) und mit Zuhilfenahme der vorhandenen Restformen, durch
welche die Überlieferung überprüft wird. Die Kataftralmappe zeigt im Jahre 1820 be
reits fertige Höfe, meist in der Form unregelmäßiger, „lockerer" Vierseiter (die einzelnen
Bauten sind voneinander getrennt) und einen geringen Hundertsatz an „geschloffenen"
Vierseitern (die Gebäude sind aneinander gerückt). Es besteht also der Zug, aus dem
Haufenhof zu einem geschloffenen Hof zu kommen, was wegen der Geländeschwierigkeiten
nur sehr langsam vor sich gehen kann. Die heutigen Dreikanter (sog. „mitteldeutsch
fränkische" Form) und Vierkanter sind alle nachweisbar nicht älter als hundert Jahre und
Neubauten nach Großbränden, nach denen dann der Hof neu aufgebaut wurde.
Die Bevölkerung unterscheidet heute die Höfe im Sprachgebrauch: HäuSl oder Viertel-
hauS, Halbhof, Hofstatt oder ganzer Hof. Dies bedeutet ungefähr: S t r e ck h o f, nur
bestehend aus Stube, Vorhaus, Stall in einer Front, Hakenhof oder Parallel-
h o f, d. h. Streckhof vermehrt um mindestens eine Scheune und Drei- oder Vierseithof. 22
22) So reichen z. B. die Angaben eines meiner Gewährsmänner, des alten Keafchbama Hansl (Kapfen-
berger Johann), Störzimmermann, sehr weit zurück. Seine Großmutter, die Bäuerin Therese Kapfenberger,
Feiftritz-HaSleiten Nr. 15, wurde über ICO Jahre alt (1765—1870). Ein Sohn übernahm den Hof, ein
anderer wurde Störzimmermann, d. h. ein Zimmermann ohne feste Werkftätte; er geht überall hin, wo er
gebraucht, gerufen wird. Von solchen Störzimmerleuten erfährt man daS meiste, da sie immer dabei waren,
wenn in einem Bauernhöfe etwas umgeändert oder neu erstellt wurde. Er wurde auch 95 Jahre alt (1805 bis
1898). Und fein Sohn ist mein Gewährsmann, der schon als Bub mit seinem Vater „auf die Stör" ging.
Er hat die Großmutter noch gut gekannt, und sie erzählte den Kindern oft, wie es „in ihrem Aufwachsen"
gewesen ist, wie da die Höfe und Einrichtungen beschaffen waren. Ihre Altersschwäche und Gebücktheit be
schreibt er wie folgt: „De'is is an ültS He'ingarl gwei'n; i(s) scha völli auf da Näsn gänga." (Das ist ein
altes Hängelein gewesen (von hängen, zu Boden hängen); ist schon völlig auf der Nase gegangen).