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Volltext: Zentralblatt für Anthropologie, 15.1910

A. Referate. Allgemeines, Methoden. 
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angehörten, so ist das nicht einwandfrei. Woltmanns Schluß fußt auE 
einer Statistik. Ist diese richtig, dann besteht der Schluß zu Recht. Es 
handelt sich also nur um eine Prüfung und eventuelle Erweiterung der 
Statistik, nur so kann WoltmaDns Ansicht bekämpft weiden, nicht durch 
allgemeine Bemerkungen. Der auf S. 320 auftauchende Gedanke, daß die 
im österreichischen Donaugebiet vorherrschende Mesokephahe und der damit 
verbundene höhere Wuchs auf soziale Ursachen zurückzuführen seien, ist so, 
wie er hier steht, unverständlich. Es handelt sich auch hier wiedei um den 
schon betonten Fehler, daß die Hauptprobleme — und in diesem Satze steckt 
eine ganze Reihe davon — nicht genügend erörtert werden, weshalb dann 
die Einzelheiten zuweilen unklar bleiben. 
Im zweiten Bande gibt der Verfasser in gut lesbarer Form ein sehr 
gelungenes Bild der menschlichen Kulturentwickelung. Besondere Berück 
sichtigung findet die prähistorische Kultur Europas, doch werden auch die 
Zustände bei rezenten Naturvölkern sowie die historische Lbeilieferung viel 
fach zur Ergänzung heraiigezogen. Die historische Einleitung, die, nebenbei 
bemerkt, nicht so breit ausgefallen ist als die zum ersten Teil, behandelt 
unter anderem den Kampf um das Dreiperiodensystem sowie die Methode 
der vorgeschichtlichen Forschung. In dem dem prähistorischen Hausbau 
gewidmeten Abschnitte kommt Hoernes zu dem beachtenswerten Ergebnis, 
daß neben dem jedenfalls ursprünglicheren Rundbau auch der Vierecksbau 
schon in neolitliischer Zeit nachweisbar sei, ohne daß man berechtigt wäre, 
dabei an orientalische Einflüsse zu denken. Das Eolithenproblem, das schon 
im ersten Bande gestreift wurde, wird auch hier wieder erörtert. Der Autor 
kommt dabei zu dem Schluß, daß man gegen die Eolithen wohl prinzipiell 
nichts einwenden könne, daß aber ihre tatsächliche Existenz bisher noch 
nicht bewiesen sei. Seine frühere Ansicht von der stratigraphischen Zu 
sammengehörigkeit des Chelleen und Mousterien hat Hoernes nun auf 
gegeben und sich vollständig dem französischen System angeschlossen. Wenn 
Hoernes bei Behandlung der spätpaläolithischen Kulturen den Zusammen 
hang zwischen der Kultur von Magiemose und der der Kjökkenmöddinger in 
Zweifel zieht, so scheint er mir die Bedeutung des Brabrandfundes (Aarbjbger 
for nord. Oldkydighed 1906), den er übrigens gar nicht erwähnt, zu unter 
schätzen, der diesen Zusammenhang herstellt. Was Cartailhac über 
den Mangel eines Zusammenhanges des französischen Asylien mit dem Neo 
lithikum sagt, ist für die nordische Entwickelung irrelevant. Wenn in 
Frankreich keine Weiterentwickelung stattgefunden hat, folgt daraus noch 
nicht, daß sie auch sonst nirgends vor sich gegangen sei. Daß ein großer 
Teil der neolithischen Altertümer im südlichen und westlichen Europa der 
mittelländischen Rasse zuzuschreiben sei, dürfte wohl richtig sein, doch 
möchte ich betonen, daß für die Bandkeramik der Beweis nicht erbracht ist 
und sogar mehrere Umstände dafür sprechen, daß ihre Träger der nordischen 
Rasse angehörten. Die in der Arbeit über die neolithische Kultur Österreichs 
mit Vorbehalt ausgesprochene Ansicht von einer Ausbreitung nordischer 
Stämme im späten Neolithikum tritt auf S. 170 nun in bestimmterer 
Form auf. 
In dem Abschnitt über die Metallzeiten fällt insbesondere das auch sonst 
bemerkbare entschiedene Auftreten gegen das „Trugbild des Ostens“ auf. 
Es wird z. B. die Möglichkeit zugegeben, daß in gewissen Gegenden Europas 
die lokalen Verhältnisse zur selbständigen Kupfergewinnung geführt haben 
ferner wird die nach einer gemeinsamen Frühzeit eintretende Selbständigkeit 
Europas gegenüber dem Orient während der Bronzezeit betont. Hinsichtlich
	        
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