A. Referate. Allgemeines, Methoden.
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angehörten, so ist das nicht einwandfrei. Woltmanns Schluß fußt auE
einer Statistik. Ist diese richtig, dann besteht der Schluß zu Recht. Es
handelt sich also nur um eine Prüfung und eventuelle Erweiterung der
Statistik, nur so kann WoltmaDns Ansicht bekämpft weiden, nicht durch
allgemeine Bemerkungen. Der auf S. 320 auftauchende Gedanke, daß die
im österreichischen Donaugebiet vorherrschende Mesokephahe und der damit
verbundene höhere Wuchs auf soziale Ursachen zurückzuführen seien, ist so,
wie er hier steht, unverständlich. Es handelt sich auch hier wiedei um den
schon betonten Fehler, daß die Hauptprobleme — und in diesem Satze steckt
eine ganze Reihe davon — nicht genügend erörtert werden, weshalb dann
die Einzelheiten zuweilen unklar bleiben.
Im zweiten Bande gibt der Verfasser in gut lesbarer Form ein sehr
gelungenes Bild der menschlichen Kulturentwickelung. Besondere Berück
sichtigung findet die prähistorische Kultur Europas, doch werden auch die
Zustände bei rezenten Naturvölkern sowie die historische Lbeilieferung viel
fach zur Ergänzung heraiigezogen. Die historische Einleitung, die, nebenbei
bemerkt, nicht so breit ausgefallen ist als die zum ersten Teil, behandelt
unter anderem den Kampf um das Dreiperiodensystem sowie die Methode
der vorgeschichtlichen Forschung. In dem dem prähistorischen Hausbau
gewidmeten Abschnitte kommt Hoernes zu dem beachtenswerten Ergebnis,
daß neben dem jedenfalls ursprünglicheren Rundbau auch der Vierecksbau
schon in neolitliischer Zeit nachweisbar sei, ohne daß man berechtigt wäre,
dabei an orientalische Einflüsse zu denken. Das Eolithenproblem, das schon
im ersten Bande gestreift wurde, wird auch hier wieder erörtert. Der Autor
kommt dabei zu dem Schluß, daß man gegen die Eolithen wohl prinzipiell
nichts einwenden könne, daß aber ihre tatsächliche Existenz bisher noch
nicht bewiesen sei. Seine frühere Ansicht von der stratigraphischen Zu
sammengehörigkeit des Chelleen und Mousterien hat Hoernes nun auf
gegeben und sich vollständig dem französischen System angeschlossen. Wenn
Hoernes bei Behandlung der spätpaläolithischen Kulturen den Zusammen
hang zwischen der Kultur von Magiemose und der der Kjökkenmöddinger in
Zweifel zieht, so scheint er mir die Bedeutung des Brabrandfundes (Aarbjbger
for nord. Oldkydighed 1906), den er übrigens gar nicht erwähnt, zu unter
schätzen, der diesen Zusammenhang herstellt. Was Cartailhac über
den Mangel eines Zusammenhanges des französischen Asylien mit dem Neo
lithikum sagt, ist für die nordische Entwickelung irrelevant. Wenn in
Frankreich keine Weiterentwickelung stattgefunden hat, folgt daraus noch
nicht, daß sie auch sonst nirgends vor sich gegangen sei. Daß ein großer
Teil der neolithischen Altertümer im südlichen und westlichen Europa der
mittelländischen Rasse zuzuschreiben sei, dürfte wohl richtig sein, doch
möchte ich betonen, daß für die Bandkeramik der Beweis nicht erbracht ist
und sogar mehrere Umstände dafür sprechen, daß ihre Träger der nordischen
Rasse angehörten. Die in der Arbeit über die neolithische Kultur Österreichs
mit Vorbehalt ausgesprochene Ansicht von einer Ausbreitung nordischer
Stämme im späten Neolithikum tritt auf S. 170 nun in bestimmterer
Form auf.
In dem Abschnitt über die Metallzeiten fällt insbesondere das auch sonst
bemerkbare entschiedene Auftreten gegen das „Trugbild des Ostens“ auf.
Es wird z. B. die Möglichkeit zugegeben, daß in gewissen Gegenden Europas
die lokalen Verhältnisse zur selbständigen Kupfergewinnung geführt haben
ferner wird die nach einer gemeinsamen Frühzeit eintretende Selbständigkeit
Europas gegenüber dem Orient während der Bronzezeit betont. Hinsichtlich