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Objekt: Baessler-Archiv, 14=39.1966

Baessler-Archiv, Neue Folge, Band XIV (1966) 
269 
18* 
ZELT UND HAUS 
BEI DEN BENI MGUILD-BERBERN (MAROKKO) 1 
HORST NACHTIGALL, Marburg 
Beobachtungen zur Akkulturation, zur Wirtschaft, zum Zeremonialleben, zu 
Kleidung, Schmuck, Musik und Gesang der im Mittleren Atlas von Marokko 
teils als Nomaden, teils als Ackerbauer wohnenden Beni Mguild werden neben 
einer Anzahl von Filmen an anderen Orten veröffentlicht. An dieser Stelle 
seien einige Daten zum Thema „Zelt und Haus“ mitgeteilt, die über die ein 
schlägigen Standardwerke von E. Laoust (1920 und 1930—34) hinaus neue 
bzw. ergänzende Beobachtungen zum Thema beitragen. 
E Der Lagerplatz 
Die im Denken der Beni Mguild relevante Sozialeinheit ist der Duwär. Das 
ist ein arabisches Wort, das die kreisförmige Anordnung einer Zeltgruppe 
bezeichnet. Ein Duwär umfaßt eine Anzahl von Zeltgemeinschaften (Alt uhäm), 
d. h. jeder verheiratete Mann bewohnt mit seiner Frau und seinen Kindern, ein 
eigenes Zelt, das er normalerweise mit seiner Eheschließung bezieht. (Vgl. 
Nachtigall, Akkulturation.) Innerhalb der kreisförmigen Anordnung der Zelte 
eines Duwärs werden zur Nacht die Schafe und Ziegen zusammengetrieben und 
von den zahlreichen Hunden bewacht, von denen man pro Zelt im Durchschnitt 
fünf rechnet 2 . 
Der Duwär bietet seinen Bewohnern in unruhigen Zeiten durch die Zahl 
seiner durch Blutsverwandtschaft verbundenen Männer und der — meist frem 
den — Hirten einen gewissen Schutz. Die relativ hohe Zahl von Menschen 
eines Duwärs verlangt zu ihrem Lebensunterhalt aber auch entsprechend zahl 
reiche Herden. Größere Herden bedingen durch ihren Nahrungsbedarf eine 
entsprechend häufige Verlegung des Lagerplatzes. 
1 Die in dieser Studie niedergelegten Feldbeobachtungen erfolgten auf einer von der 
Deutschen Forschungsgemeinschaft subventionierten Reise vom August bis zum 
Oktober 1964. — Für freundliche Hilfen bei der Transkription der berberischen 
und arabischen Termini möchte ich auch an dieser Stelle Herrn Prof. Dr. O. Rössler, 
Marburg, herzlich danken. Die Fotos stammen vom Verf. 
2 Vgl. auch Ubach-Rackow, 1923, S. 166 f. und 348 f.; Laoust, 1930, S. 174 f.
	        
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