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Rat. — Nun gebt Rat, j Wie wir es klug zum
frohen Ende leiten!
Friedr. von Schiller, Wilh. Tell (1804).
A. 2, Sz. 2 (Reding).
— Die Menschen, wenn sie dich um Rat fragen,
find gewöhnlich schon entschlossen, zu tun, was ihnen
gefällt. Adolf Freiherr von Knigge, Gesammelte
Schriften (1804—1806).
— . . . Rat zu geben. Das ist das dümmste
Handwerk, das einer treiben kann. Rate sich jeder
selbst und tue, was er nicht lassen kann!
Joh. Wolfg. von Goethe, D. Wahlverwandtschaften
(1808—1809). T. 1, K. 2.
— Was Rat! Hat Rat bei Menschen je ge
golten?
Joh. Wolfg. von Goethe, Faust, II (1831). A. 2.
Klassische Walpurgisnacht. Felsbuchten d. Ägäischen
Meers (Nereus).
— Wer nur für andre, nicht für sich weiß
Rat, | Ist wie ein Mann, der fremde Gärten
wässert | Vom Brunnen, welchen er im Hofe hat, |
Und seine eigne Dürre nicht verbessert.
Friedr. Rückert, Erbauliches u. Beschauliches a. d.
Morgenlande (1837—1838).
— Wie Wind im Käfige, wie Wasser in dem
Siebe | Ist guter Rat im Ohr der Torheit und
der Liebe.
Friedr. Rückert, D. Weisheit d. Brahmanen (1836—
1839). B. 16, Abteilung 5, Nr. 97. (Stufe 5. Leben.
Nr. 499.)
— . . . der Rat des Herrn bleibet ewiglich.
Ps. 33, V. 11.
— . . . wo du Rat bedarfst, so suche ihn bei
weisen Leuten! Jes. Sir., K. 9, V. 21.
— Tue nichts ohne Rat, so gereuet dich's nicht
nach der Tat! Jes. Sir., K. 32, V. 24.
— Der Alten Rat, der Jungen That | Macht
Krummes grad. Alter Spr.
— Ein guter Rat zur rechten Zeit | Wahrt
Manchen vor viel Herzeleid. Alter Spr.
— Schneller rath nie gut that; j Weisser rath
vor sich gaht. Alter Spr.
— Ein Löffel voll Tat | Ist besser als ein
Scheffel voll Rat. Sprichwort.
— Guter Rat kommt über Nacht. Sprichwort.
— Hitz' im Rat, | Eil' in der Tat | Bringt
nichts als Schad'. Sprichwort.
— Kommt Zeit, kommt Rat. Sprichwort.
— Am Rathsuter (enter) sugunt (saugen) vielt
Chalber. Sprichwort. Schweiz.
— Rat nach der Tat, die Kerze unters Korn
maß. Nieder!.: Raad na daad, | De kars onder
de korenmaat. Sprichwort.
— Das Kaninchen fort, der Rat da. Span.:
Dl conejo Ido, | El consejo venido. Sprichwort.
— Ein Rat vor der Gefahr ist Wein, nach der
Gefahr Essig. Lettisches Sprichwort.
— Alle wissen guten Rat, | Nur der nicht, der
ihn nötig hat.
Inschrift im Berliner Ratskeller. Bierlokal.
Rat. — Der beste Rat ist in der Not: | Mensch,
hilf dir selbst, so hilft auch Gott!
Spr. an einem Hause in Hochaltingen im Ries.
— Wie mancher guder Rath verdirbt in armem
Munde, | Wie manches grüne Gras in einem
schönen Grunde, j Wie manches prave Roß im
Wagen und im Karren, j Wie mancher guder Will'
bey ei'm verzagten Narren.
Inschrift an einem Hause.
Raten. — Rathen ist nach der scheiben
schiessen. Man schiest öffter drunter, drüber vnd
neben hin als in die Scheib; viel weniger trifft
man zum Zweck.
Christoph Lehmann, Politischer Blumen-Garten (16 6 2).
T. 2. Rathen. Nr. 2.
— Es ist leichter, rathen den thaten.
Christoph Lehmann, Politischer Blumen-Garten (1662).
T. 2. Rathen. Nr. 40.
— Einer räth et quid, der ander quo, | Vnd
wird man deren keins nicht fro.
Christoph Lehmann, Politischer Blumen-Garten (1662).
T. 2. Rathen. Nr. 64.
— Vom sichern Port läßt sich's gemächlich
raten!
Friedr. von Schiller, Wilh. Tell (1804). A. 1, Sz. 1
(Ruodi).
— Es gleicht, wer jedem zu raten, | Statt
Einem zu helfen wählt, | Einer tüchtig sausenden
Mühle, | Der es an Steinen fehlt.
Friedr. Hebbel, Gedichte. Jugendgedichte (ged. 1829—
1833). Flocken. Rat ohne Tat.
— Wem nicht zu raten ist, dem ist nicht zu
helfen. Sprichwort.
Ratgeber. — ... zum Ratgeber nimm
unter Tausenden nur Einen! Jes. Sir., K. 6, V. 6.
— Ein Rater in zweier Freunde Mitten j Kann
es mit beiden leicht verschütten. Sprichwort.
Rationalisten. — Hoch verstiegen sich nie noch
Rationalisten, deswegen | Mieteten sie auch bei
Kant nur im Parterre sich ein.
Ludw. Feuerbach, Satirisch-theologische Distichen
(1830).
Ratschlagen. — Darumb bey allen Sachen I
Man erst rath sch lagen muß, ] Damit man möge
machen | Darauff gewissen Schluß.
Joh. Doman, Lied v. d. Hanse (1618).
Rätsel. — Da muß sich manches Rätsel
lösen. — | Doch manches Rätsel knüpft sich auch.
Joh. Wolfg. von Goethe, Faust, I (1808).
Walpurgisnacht (Faust u. Mepistopheles).
Ratsherr. — Wissen und Gewissen machen
den Ratsherrn.
Inschrift im Oberbürgermeisterzimmer d. Berliner
Rathauses.
Ratten. — Die Ratten verlassen das Schiff
(es ist dem Untergange geweiht).
Sprichwörtl. Redensart.
Rattenfänger. — Vermaledeiter Ratten
fänger!
Joh. Wolfg. von Goethe, Faust, I (1808). Nacht.
Straße vor Gretchens Türe (Val.).