Den heißen Kampf, es Kämpfen ihn
Ums Dasein auch die Theorien,-
Nach ewigem Gesetz verschafft
Den Sieg allein die inn're Kraft,
Die Wahrheit nur kann drum besteh'n,
Und jeder Irrtum muß vergeh'n.
Mit diesen Reimzeilen habe ich in früheren Jahren, als dichterische
Neigungen noch eine größere Rolle in meinem Leben spielten, einmal
einen streitbaren Rufsatz über eine brennende, damals die wissenschaft
liche Welt lebhaft bewegende Frage geschlossen. Zeit und Umstände
Haben mir recht gegeben: vieles, um das ich vor einigen Jahrzehnten
noch ringen mußte, gehört jetzt zum sicheren Bestand der Wissenschaft.
Rber mit dem Fortschritt unserer Erkenntnis tauchen immer neue
Streitfragen auf, und dem menschlichen Irrwahn wachsen, wie der
lernäischen Wasserschlange, an Stelle der abgehauenen stets wieder
frische Häupter. So kann, wenn schließlich auch im großen und ganzen
die Wahrheit überall durchdringt, der Kampf niemals aufhören, und
das hat auch sein Gutes, denn er erhält schlagfertig und verhindert
ein zu frühes, selbstzufriedenes Ausruhen auf den errungenen Lor
beeren. Ist demnach der Kampf nicht aus der Welt zu schaffen, in
gewissem Maße sogar nützlich und sortschrittfördernd, so wird er doch
in der Wissenschaft vollständig zwecklos, ja geradezu kraftvergeudend,
wenn die Gegner nicht einmal im klaren sind, über was sie sich eigent
lich ereifern, wenn er zu einem Streit um Worte ausartet. Derartige
Zankäpfel unfruchtbarer Wortgefechte sind die Bezeichnungen „Rasse"
und „Volk", zwei grundverschiedene Begriffe, deren Verwechselung
und Vermengung schon so viel Verwirrung in der Wissenschaft vom
Menschen und in der Völkerkunde angerichtet hat. Zu dieser Über
zeugung gelangt, habe ich mich schon früh, mit Wort und Feder, so
durch einen Vortrag auf dem 7. Internationalen Geographenkongreß
vom Jahre 1899 in Berlin und bei verschiedenen anderen Gelegen
heiten, bemüht, die beiden Begriffe scharf zu umschreiben und ihre
Forschungskreise gegeneinander abzugrenzen, wie gering aber bisher