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Volltext: Handbuch der deutschen Tracht

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Fünfzehntes Jahrhundert. 373 
lass nun hinfüro unter der ritterschafft keine frawe noch jungirawe 
zein kleid sol machen lassen und tragen, dass ihr uber zwo elen lang 
uff der erden nachgehet.« Waren nun demnach Schleppen von zwei 
Ellen geradezu gestattet, so zögerte die vornehme Frauenwelt nicht, 
Jie Schleppe um vier Ellen und mehr zu verlängern, also dass sie 
beim Gehen dieselbe aufnehmen oder sich nachtragen lassen musste. 
Kleider von mässiger Schleppe zog man an einer Seite hinauf und 
hielt den Bausch mit der Hand fest (91. co), legte ihn auch über den 
Arm (Taf. 8. s) oder steckte ihn unter den Gürtel (90. 18). 
Die deutschen Gürtel waren schmäler, als die burgundischen ; 
loch verschnallte man sie, wie diese, im Rücken; man trug sie auf das 
zostbarste ausgestattet und selbst mit Schellen behängt. 
Geiler von Kaisersberg gedenkt der Frauengürtel in einer Predigt: »Was sol 
ich sagen von der grossen stinkenden hoffart der weiber? Das manche gefunden 
wirt, die henkt mehr an einen einigen gürtel, weder sie sonst an haab und gut 
vermag, und wendt manche ein grossern kosten mit sammet, seiden, goldt, silber 
und andern dingen mehr an solchen gürtel, das der goldtschmidt nachmals den gürtel 
nicht für den macherlon neme. Ein sack voller guts korns mag mit einem ptennig- 
strick zugeknüpft und umbbunden werden, aber den weibersack, so voller unkeuschheit 
und geylheit steckt, muss man mit seidenen, vergüldten und silhern stricken um: 
binden, der etwan viertzig oder fünffzig gulden wehrt ist.« 
Die Aermel hatten eine so grosse Mannigfaltigkeit, dass eine Be- 
schreibung für das Gedächtnis verloren wäre, wenn sie nicht durch 
Abbildungen unterstüzt werden könnte. 
Troz aller Ausschreitungen der Mode blieben die langen, engen, oft 
hinterwärts verknöpfbaren Aermel im Gebrauch, namentlich jene, die 
sich über die Mittelhand mit einer Stulpe öffneten (92.4); gegen Ende 
Jes Jahrhunderts verlängerte man die Stulpen sogar weit über die 
Hand hinaus, so dass man sie nötigenfalls zurückschieben musste. 
Besezte man das Oberkleid mit langen engen Aermeln, so beliess man dem 
Unterkleide nur kurze Aermel (85. ı). Manchmal versah man nur das 
obere oder das untere Kleid mıt Aermeln, ein andermal beide Kleider, 
lann aber mit Aermeln von verschiedener Form. Gewöhnlich brachte 
man in lezterem Falle den engen Aermel am Unterkleide an, während 
man das obere mit weiten Hängeärmeln in allen üblichen Formen 
versah. Der lang herabhängende Sackärmel (89. ı) verschwand in den 
sechziger Jahren. Dagegen waren um diese Zeit jene Hängeärmel 
joch beliebt, die man nur unten oder vorn herab völlig geöffnet und 
häufig von einer Länge’ trug, dass sie auf dem Boden nachschleppten 
"Taf. 7.10). Ihre Schlizränder löste man gern in Zaddeln auf 
(Taf. 7.12) und schnitt selbst diese wieder in kleinere Zaddeln, so dass 
der Reichtum an Zaddeln der Schere und Nadel zu spotten und der 
vanze Aermel in Zaddeln verwandelt schien. So lange die Sackärmel 
blühten, fügte man ein reiches Behänge von Zaddeln in ihre Naht, 
so dass es den ganzen Sack umrahmte (Taf. 7. 9). Wer sich den 
Luxus gönnen konnte, ersezte die Zaddeln wol auch durch feine Pelz- 
stücke (Taf. 8.12). Manchmal liess man unter dem Aermel eine in mehrere 
vezaddelte Streifen zerteilte Linnenmanschette hervortreten (92. 2).
	        
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