26 Der menjolide Rôrper al8 Grundlage der fomatifhen Raffenlehre.
ftoffe des Sperma, durch Strychnin- und Chlormagnefiumidjungen, alfo durch rein chemifdhe
(inmirfungen, sur Gutwidfung bringen fann.
Da bie CntmidlungSerregung offenbar nidjt die wefentliche Aufgabe der Befruchtung ift,
fo ligt fich mit 9t. Qertmig die Befruchtung wohl am beften als die Berjdmelzung
zweier Bellorganifationen zu einer neuen Organifation auffaffen, al8 eine Ber-
idjmelgung, die in der Bereinigung von Ei- und Samentern ihren Nofchluß findet. Nicht die
TEntwicklungserrequng ijt die Hauptaufgabe der Befruchtung, jonbern bie Bereinigung ber
Kern/ubftanzen zweier Individuen und damit die Übertragung der väterlichen und der miitterlichen
Sigen{Haften auf das inb, fie ftebt alfo mit ber Sererbung in unmittelbarem Sujammenbang.
Das Studium der Konjugation der Protozven lehrt, daß e8 in der organijhen Welt Be-
fruchtung gibt ohne Entwidlunggerregung. Bei ben jyn[ujotien Dat bie Konjugation, die als
eine echte Befruchtung zu betrachten ift, feinen unmittelbaren Einfluß auf die Vermehrung der
Tiere. Tiere, die fich vor der Konjugation lebhaft geteilt Haben, verfallen nad) berjelben in einen
wochen= und monatelang andauernden Ruhezuftand; in gleicher Weife führt die Befruchtung bei
Algen und Wurzelfüßlern (Khizopoden) zur Bildung von Dauerfporen und damit ebenfalls zum
vorfäufigen Stillftand ber Vermebrung.
Die Befruchtung fcheint mit dem Wefen der lebenden organijchen Subftanz notwendig
verbunden zu fein und zeigt verfchiedene Wirkungen. Wir Haben die neben[ächlidhe Wirkung der
(Éntmid[ungserregung fennen gelernt, wir Haben gefehen, daß fie beftimmt ift, eine Vermifhung
von Gigenidaften nerjéhiedener Fndividuen qu ergielen. Die Beobachtungen an Snfuforien fitprten
R. Hertwig dazu, nod eine weitere Aufgabe der Befruchtung anzunehmen, er betrachtet fte al8 eiie
notmendige Ronfequens des Lebensprogefjes. Durch denfelben erfährt im Organismus die [ebenbe
Subftans eine Abnubung, die zum Tode führt. Um nun diefe legten Folgen des Lebensprogefjes
hei den Synfujorien Hinauszufchieben, dient die Befruchtung, indem aus dem Material zweier,
allmählih zum Untergang hinneigender Individuen ein neues lebensfrüftige8 Tier gejchaffen
wird. Bur normalen Erledigung der Qebensprogeffe bedarf e8 nicht nur treibender Kräfte,
jondern auch regulierender, weldje eine Reorganifation der lebenden Subftanz ermöglichen; als
cine der michtigiten Vorgänge zu foldher Regulierung ftellt fich die Befruchtung, die Bereinigung
sweier Organifationen ju einer neuen Organifation dar.
Nach diefen allgemeinen Bemerkungen über die Befruchtung wollen wir uns ein Bild von
bem Vorgang jelbjt machen. Es Handelt fich in unfjerem Falle um eine Befruchtung zum Bwede
der Fortpflanzung, um die Bereinigung und Berjhmelzung von Ei» und Samentern.
Der Befruchtung, d. h. der Bereinigung von Gi- unb Samenkern muß die Bejamung
vorauóágefen, e8 muB der Samengelle die Miglichteit verjhafit werden, in die Eizelle einzut-
dringen. Died gefchieht bei denjenigen Tieren, welche unbefruchtete, reife Sier ablegen, in der
Weife, daß im Waffer, wohin gewöhnlich die Gier 3. B. der meiften Fifche und anderer Wafjer-
Here abgelegt werben, burd) die Strömung eine große Anzahl von Spermien (die Milch der
gefhledhtsreifen Fijdhe) in die Nähe der von den meibliden gejehlechtsreifen, faichreifen Fijdhen
abgelegten Gier (Mogen) gebracht wird. Meift gelingt e8 dann einem Spermium, in ein Ei
eingudringen. Bei vielen Tieren, vor allem bei den meiften Säugetieren und bem Menjcheit,
muß die Befamung innerhalb des gefchlechtsreifen weiblichen Organismus vor fid) gehen, was
durch den Akt der Begattung ermöglicht wird.
Die Beit, in welcher das Spermium in die Eizelle eindringt, um die Befruchtung zu vol
ziehen, ijt verfhieden. Häufig fällt ber Beitpunft ber 3Bejamung im bie Beit 3wijhen Bildung
bes erften und zweiten Richtungskürper8 der Eizelle, oder fie fällt in die Zeit nach Bildung und
Sinftellung dev erften Ridhtungsfpindel; e8 farm aud) vorfommen, ba jut Beit der Befamung
nod) Das Keimbläschen befteht und erft beim Eindringen des Svermiums bie Jeifevorginge in
der Eizelle beginnen.
Zur Befruchtung it nicht erforderlich, daß Sikern und Spermafern wirklich verjdymefaen,