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Objekt: Globus, 15.1869

Die Chincha - Inseln an der peruanischen Küste . 
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den Südwinde geschützt sind . Bon PiSco nach Norden hin findet man auch noch Guanolager , sie sind aber nicht belang - reich und obendrein schwer zugänglich . Jndeß liegen in dieser Zone die drei Chincha - ( sprich Tschintscha - ) Inseln , in 13^2 Grad südlicher Breite , etwa 12 Seemeilen westlich von Pisco . Die Schisse ankern am liebsten unter dem Winde der Nordinsel , weil sie dort am wenigsten von der Paraca heimgesucht werden , das heißt einem scharfen Winde , der von elf Uhr Morgens bis gegen Sonnenunter - gang weht . Der Guano lagert zumeist iu wagerechter , oft - mals auch gewellten Schichten , welche nach den Enden hin eine Umbieguug haben ; oben sind sie röthlich , nach unten hin mehr oder weniger hellgrau . Der Guano ist überall von trefflicher Qualität und nur iu den niedrigeren Schichten mit Guano de lobo , also solchem , der Ueberreste von See - thieren enthält , vermischt . Nicht selten findet man verstei - nerte Eier , Federn , Knochen und selbst Vögelmnmien . 
Ablagerungen von Guano sind bekanntlich an vielen ver - schiedenen Stellen der tropischen Gegenden vorhanden und auch soust au Punkten , wo Seevögel in großer Menge vor - kommen und wo es nicht regnet . Man findet Guano am 
Rothen Meere , am und im persischen Meerbusen ; auf deu Mejilloucs - Jnseln vor der Küste der Atacamawüste ; inUnter - californien , an der Südwestküste von Afrika , auf manchen Inseln im Stillen Ocean : c . Aber das beste Product kam bisher von den Chincha - Jnseln . 
Pisco an der Küste von Peru liefert einen vortrefflichen Wein und die Umgegend duftet vou Orangenblüthen ; dieses Parfüm bildet einen scharfen Gegensatz zu dem ätzenden , kratzenden und penetranten Gernche und dem feinen , gelben' ammoniakalifchen Staube , welchen der Wind weit ins Meer hinanstreibt und der den Schiffern ungemein lästig und wider - wärtig ist . Schon mehr als einmal haben achthundert bis eintausend Fahrzeuge bei diesen Inseln gelegen , nm Ladung einzunehmen . 
In den Gnanogegenden sind allemal Fische und See - Vögel in ungeheurer Menge vorhanden . Die letzteren gehen bei ihrem Fang und Fraß ganz methodisch zu Werke . Jeder Schwärm hat einen Anführer und richtet feine« Flug derart eiu , daß er einen weiten Kreis bildet und die Fische , welche in dicht gedrängten Massen ziehen , gleichsam einzirkelt . Dann beginnt der Fang . Jeder Vogel sucht so viel als möglich zu 
Bolivianische Indianer als Arbeiter auf den Chincha - Inseln . 
verschlingen und alle überfüllen sich . Wie auf Befehl fliegt dann der gauze Schwärm nach der nächsten Küste zurück , an welcher er seinen bestimmten Verdaunngsplatz hat . Viele Vögel geben ganze Fische wieder von sich , andere sind so vollgefüllt , daß sie sich nicht von der Stelle bewegen können ; andere kommen auf den Inseln um und tragen auf solche Weise dazu bei , den Guano noch kräftiger zu machen . Da die Vögel tagtäglich dieselbe Ruhestelle besuchen , so wird die Schicht der Excremente immer dicker und sie trocknet in der regenlosen Zone von Peru rasch ein und die ammoniak - haltigen Bestandtheile werden gebuudeu , vor der Verflüchti - guug bewahrt . 
Der Abbau aus den Chincha - Jnseln wird in ähnlicher Weise betrieben wie der Abbau von Kohlen , Gyps oder Steinsalz . Die Schichten reichen bis zu einer Höhe von 60 bis 90 Fuß hinauf ; die Arbeiter hauen Stufen in den Gnanoberg und haben als Werkzeug eine Spitzhacke . Der Guauo fällt unten hin , wo andere Arbeiter ihn mit Schau - feln auf zweirädrige Karren werfen ; diese fährt man bis zu den Eisenbahnwagen , aus welchen dann der Guano in die Schiffe übergeladen wird . 
Globus XV . Nr . 3 . ( Februar 1869 . ) 
Es ist immer schwierig gewesen , die erforderliche Anzahl von Arbeitern zu erhalten und zu behalten . Weiße Men - scheu können die Hitze , den scharfen Geruch und die Anstren - gnng auf die Dauer uicht aushalten . Deshalb hat man Indianer aus den heißen Gegenden Perus und Bolivias zu verwenden gesucht ; man hat aber nicht lange auf sie zu rechnen und sobald sie können , ziehen sie wieder ab . Wahr - scheinlich wäre die Gnanoförderung ohne die Chinesen mehr als einmal zum Stillstaud gekommen . Es sind bei der Ver - schissnng von Kulis aus dem Blumenreiche der Mitte nach den peruanischen Düngerinseln Abscheulichkeiten in Menge vorgekommen und erst während der letztverslossenen Jahre ist der Menschenraub und Menschenhandel , welchen die Christen mit weizengelben Asiaten treiben , nicht mehr so hänsig wie früher . 
Wie dem aber auch sein möge , ans den Chincha - Jnseln sind gerade die Chinesen zu Hunderten in den Hnan er as , den Guanolagern , thätig . Simonin , welcher sie arbeiten sah , stellt ihnen nachfolgendes Zengniß aus : 
„ Mau spricht wohl davon , daß die Strafgefangenen , welche in den Tagen des Alterthums zur Arbeit in den 
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