Volltext: Elektrifizierung als Vision

Großkraftwerk und Kleingeräte: 
Strom für alle 
Technische Entwicklungen folgen in der Regel nicht politischen Zäsuren 
und gängigen historischen Periodisierungen.' Bereits vor dem 1. Weltkrieg 
waren alle Bestandteile des Stromversorgungssystems entwickelt, und in 
den Jahren zwischen 1910 und 1916 wurden die wesentlichen Strukturen 
für dessen weiteren Ausbau entworfen. Ziel der Planungen war, den Strom- 
gebrauch in (Groß-)Industrie, Gewerbe und Privathaushalten auszudehnen. 
Erreicht werden sollte dies durch die weitere Zentralisierung der Strom- 
produktion, durch die die Energieproduktion rentabler und der Strompreis 
niedriger werden sollten. 
Auch die Eckpunkte des Programms der Elektrifizierung waren vor dem 
1. Weltkrieg markiert. Die beiden Nutzungsformen elektrischer Energie wa- 
ren in spezifische Begründungszusammenhänge eingebunden worden. Elek- 
trizität war mit der Vorstellung sozialen und kulturellen Fortschritts ver- 
knüpft, als Faktor volkswirtschaftlicher Entwicklung identifiziert und so- 
mit eine gesellschaftliche Bedeutung der Elektrifizierung fixiert worden, 
die weitere Investitionen in elektrotechnische Anlagen rechtfertigte. Die 
Flexibilität des Elektrizitätsversorgungssystems und die vielfältigen Nut- 
zungsformen elektrischer Energie erlaubten es, Imaginationen einer elek- 
trifizierten Welt unter unterschiedlichen Prämissen und mit verschiedenen 
Schlußfolgerungen zu entwickeln. 
Im Laufe der drei Jahrzehnte vor dem 1. Weltkrieg war Elektrizität in 
Form von Stromleitungen, Kraftwerksbauten, Reklamelichtern, Straßen- und 
Untergrund- bzw. Hochbahnen mit ihrer technischen Infrastruktur sichtba- 
rer Bestandteil, vor allem des städtischen, aber auch des ländlichen Lebens- 
raums geworden. Diese Eingriffe in vertraute Umgebungen wurden als Zei- 
chen des gesellschaftlichen Wandels oder, in eindeutigerer Wertung, von 
Fortschritt ünd Modernitát wahrgenommen und diskutiert. Die elektrotech- 
nischen Anlagen und Geräte und deren Nutzung in spezifischen Kontexten 
© Radkau 1989, S. 222f.; Konig 1989, S. 34. 
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