DIE FISCHEREI AUF NAURU
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areire, emamga, erdtaba, ergab, etoqude, iürüm, ikuiddda und oft der edpae. Als Köder
dient das Fleisch des fliegenden Fisches, des ibia, des itsibab etc., nur kein Haifleisch.
An dem Tage, an welchem ein Fang stattfinden soll, stehen die Fischer in der
Frühe beim ersten Hahnenschrei auf, ordnen die Gerätschaften und machen das Kanoe
flott. Es herrscht noch Dämmerung. Sodann gehen sie aufs Riff und verstecken sich
eine Weile, ein jeder hinter einem Korallenblock, zwar so, daß sie sich nicht gegen-
seitig sehen können. Nach einer Weile kehren sie in ihre Wohnhütte zurück, um zu
frühstücken. Nach dem Frühstück werden alle Insassen des Hauses aufgefordert,
schleunigst das Lokal zu verlassen. An beiden Giebelfronten der Hütte zieht man
eine anakqgba-Leine von einer Dachecke zur
anderen und behängt sie mit abgebrochenen
Spitzen junger Kokosblätter. Das Haus ist tabu.
Jetzt erst greifen die Fischer zum Paddel und
zehen zum Kanoe hin, um zum Fischfang aus-
zuziehen. Die Landsleute merken an den Palm-
blättchen, daß das Haus ebügdga (tabu) gewor-
den ist und meiden dasselbe zu betreten, oder
in die Nähe zu kommen. Führt der Weg am
ause vorbei, dann biegt man schon eine
Strecke vorher ab nach dem Innern und umgeht
das Haus in einem großen Bogen. Auf der See-
seite des Hauses darf niemand vorbeikommen,
auch nicht in größter Entfernung, weil man
sonst den Fischern auf See zu nahe käme. Die
insassen der Hütte (Frau und Kinder) mußten,
so lange der Fang dauerte, die Zeit bei Ver-
wandten oder Nachbarn verbringen. Erst wenn
die Fischer zurück waren und die Leine vom
Hause entfernten, konnte dieses wieder betreten
werden. Betrat ein Kind vorzeitig aus Unacht-
samkeit die Hütte, dann setzte es eine gute
Tracht Prügel ab, und zwar bearbeitete man be-
sonders den Kopf, bu e nüm kailjöt dnög, damit
28 aufs Wort höre i. e. Gehorsam lerne. Be-
sonders strenge war man den Frauen gegen-
über.
Die von ihnen selbst gefangenen Fische
durften die Fischer nicht essen. Fremden war
dies wohl gestattet, sie durften aber bei dersel-
ben Mahlzeit mit diesen Fischen nicht auch noch
andere Nahrungsmittel zugleich zu sich nehmen.
Aus diesem Grunde wurden die Fische oft den
Europäern verweigert, weil man fürchtete, diese
würden durch ihr „Vielerlei‘‘ am Tische den
Fischern das Handwerk verderben. Denn der ani (Geist) der Fische war &girow
(böse) und verstand keinen Spaß.
Die Frauen durften mit den Fischen nicht in Berührung kommen, auch nicht mit
den Gerätschaften nam eEreda dmea edman dnowar. Ein solch strenges Verbot galt
Mitteilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. LXVI. 1936.
Abb. 11. girör IT.