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N . v . Seidlitz : Die Abchasen .
sie im Kasten und stellen sie auf Bäume . “ Apollonius von Rhodos ( 250 bis 200 v . Chr . ) schreibt von Kolchis : „ Dort wuchsen viel Weinreben pncl Weiden , an deren Spitzen an Ketten die Leichname der Verstorbenen gehängt waren . Auch jetzt noch gilt es bei den Kol - cliiern für ein Verbrechen , die Leichname der Männer zu verbrennen oder selbst in die Erde zu vergraben und mit Kurganen zu bedecken ; man thut sie in arbeitete Ochsenhäute und hängt sie weit hinter der Stadt auf Bäume auf ; doch auch die Erde erhält , wie die Luft , das ihrige , da ihr die Leichen der Weiber überantwortet werden ; so ist es bei ihnen der Brauch“ . Eben solches bezeugen die Variae Historiae : „ die Kolchier tliun die Todten in Felle , nähen sie ein und hängen sie an die Bäume“ . Nymphodor von Syrakus ( um das vierte Jahrh . v . Chr . ) sagt , dafs es bei den Kolchiern nicht Brauch war , die Leichen der Männer zu brennen , noch zu beerdigen . Diese Leichname thun sie in frische Tierfelle und hängen sie auf die Bäume . Die Leichname der Weiber aber übergeben sie der Erde . . . Sie verehren vorzüglich den „ Himmel und die Erde“ .
20 . Schascha .
Unter dem Namen Schascha verstehen die chasen den Erfinder des Schmiedehandwerkes . Von ihm lieifst es : „ Schascha che ah - don“ , was , übersetzt , bedeutet : „ Schascha , der grofse Herr der Handwerke“ . Schascha oder Schasch war der erste Schmied . Das glühende Eisen fafste er nicht mit der Zange , sondern mit Händen , und hämmerte es nicht auf dem Ambofs , sondern auf seinen Knieen . Er ist der Erfinder nicht allein des Schmiedehandwerkes , sondern der Erfinder und Beschützer von 363 andern Handwerken . Er ist ungemein mächtig und hitzig . Die Schmiede selbst , mit allem ihren Zubehör , ist Schasclias Bild .
Das Gebet zu ihm findet am Vorabende des neuen Jahres statt , und die vollständigste Ceremonie wird von Schmieden und Schlossern ausgeführt . Am Vorabende des Neujahrs schlachtet der Wirt ein Kalb oder einen Hammel , sein Weib aber je einen Hahn auf jedes Familienglied und bereitet einen Kuchen aus Weizenmehl mit frischem Käse . Die Leber und das Herz aller geschlachteten Tiere brät man besondei’s , wobei man sich , statt des Spiefses , eines Steckens von frischem Nufsliolze bedient . Wenn die Speisen fertig und in die Schmiede gebracht sind , stellt der Schmied auf dem Ambofse alle seine Geräte auf , nahe dabei aber die Kohlenpfanne , und seine ganze Familie stellt sich um den Ambofs auf die Knie . Nachdem der Schmied seinen Baschlik ( Kapuze ) und Gürtel nommen ( als Zeichen , dafs er sich an Schascha mit offenem Herzen und Gedanken wende ) , steckt er eine Wachskerze an , wirft Weihrauch auf die Kohlen der Pfanne und wendet sich an Schascha mit dem Gebete , dafs jener ihm und seiner Familie Gesundheit und langes Leben gewähre und die aus Eisen geschmiedeten Geräte ihm zum Nutzen und nicht zum Schaden dienen . Nach endigung des Gebetes , wenn die Anwesenden das „ Amen“ gesprochen haben , schneidet der Wirt Stücke vom Kuchen und den Eingeweiden , die auf dem Nufsholzspiefse braten sind , ab , und wirft sie auf die Kohlenpfanne , dazu spi’ecliend : „ Bis dafs ich nicht im stände bin , mit diesen Stückchen alle Scherwaschidse und Antschabadse : ) zu sättigen , möge niemand in meiner Familie erkranken . Darum bete ich zu dir , Schascha , und bringe dir dieses Opfer“ . Der Schmied schneidet dann eben solche chen von den übrigen Opfern ab und verteilt sie an alle
D Die beiden angesehensten , vormals hen - sclienden , sehr zahlreichen Fürstengeschlechter Abchasiens . Verf .
Familienglieder , welche solche verzehren und drei Schluck Wein darauf trinken . Den Wein zu diesem Mahle stimmt der Wirt gleich nach der Weinernte und hält ihn in einem besonderen Kruge , scliöscher gap - hsclii genannt , der in der Schmiede selbst vergraben ist . Bei Strafe seitens Schascha , darf ihn unter keinerlei den Umständen vor dem Sylvesterabende weder der Wirt selbst , noch um so weniger ein Fremder berühren . Nach Beendigung der Gebetsceremonie werden die zubereiteten Speisen in das Haus des Schmiedes hinübergetragen , worin sich die Nachbarn versammeln und zu Ehren Schaschas bis zur Morgendämmerung zechen .
Das Gebet zu Ehren Schaschas am Vorabende des neuen Jahres stellen auch einige Fürsten an , wozu die dabei anwesenden Leute , die vormals Hörige jener Fürsten waren , ein jeder wenigstens einen Hahn bringt . Schascha ist eine der Gottheiten , die am sten von den Abchasen angerufen wird .
Nach dem Begriffe der Abchasen bestraft die Gottheit , deren Namen fälschlich angerufen worden war , züglich den Schuldigen mit denjenigen Mitteln oder Waffen , die in den Bereich ihrer Specialität gehören . So kann derjenige , der fälschlich den Namen von Ap - hi , der über das Gewitter verfügt , angerufen hat , nicht mittelst der Schiefs - oder Stofswaffen , die eine Specialität von Schascha bilden , bestraft werden u . s . w .
Der Schwur bei Schascha pflegt von zweierlei Art zu sein : in der Schmiede und unter offenem Himmel . Im ersteren Falle stellt sich der Schmied , nachdem er den Hammer auf den Ambofs gethan und seine Hände auf der Brust gefaltet hat , auf eine Seite , der Schwörende auf die andere des Ambofses , dem Schmiede gegenüber , während derjenige , in dessen Sache der Schwur gethan wird , sich auf die Seite stellt . Der Schwörende sagt , nachdem er den Hammer in die Hand genommen : „ Wenn ich dessen schuldig bin , wessen man mich schuldigt , möge Schascha mein Haupt auf dem Ambofse zerschmettern“ ; bei diesen Worten schlägt er dreimal mit dem Hammer auf den Ambofs , — der Schwur gilt hiermit für vollendet . Im zweiten Falle schlägt man in die Erde zwei Stöcke , einen dem andern gegenüber ; auf sie hängt man geladene Flinten , mit der Mündung gegen den vom Schwörenden eingenommenen Zwischenraum gerichtet ; abseits stellen sich die Anwesenden auf . Der Schwörende spricht : „ Wenn ich eine Lüge sagte , — möge Schascha mein Haupt mit den Kugeln aus diesen Flinten durchbohren“ ; — dabei geht er dreimal zwischen den Flinten hindurch .
Wer einen falschen Eid geleistet hat , bittet beim ersten mit Kopfweh verbundenem Unwohlsein seine Verwandten , von der Wahrsagerin den Grund seiner Krankheit zu erfragen . Die Wahrsagerin , die vom Schmied selber gewöhnlich schon vorher von allen , die einen Eid geleistet haben , benachrichtigt worden , weist , vor sich Bohnenkörner ausbreitend oder die Gestirne anschauend , als auf die Ursache der Krankheit auf den , dem Schascha dann und dann , in der und der heit und in der angegebenen Schmiede geleisteten falschen Eid hin . Einer der Verwandten des Erkrankten begiebt sich zu demjenigen , in dessen Angelegenheit der falsche Eid geleistet wurde und bewegt ihn durch Geschenke , von Schascha dem Kranken Verzeihung zu erflehen , natürlich dabei versprechend , dafs jener nach seiner nesung ihn völlig befriedigen werde . Darauf begeben sich beide in die Schmiede , wo der Eid geleistet wurde , und der den Kranken Beschuldigende tritt , nachdem er seinen Gürtel , als Zeichen , dafs seine Fürsprache bei Schascha aufrichtig sein werde , abgenommen , an den Ambofs und bringt ein Gebet vor , in welchem er zu