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Volltext: Münchner Beiträge zur Völkerkunde, 8.2003

1995:174). Die Körbchen zeichnen sich alle durch ihr strenges geometrisches Muster aus. 
Dieses folgt einer über lange Zeit in der Kongoregion entwickelten Formsprache, die für 
repräsentative Zwecke verwendet wurde und hohen Status symbolisierte. Die Muster sind bis 
heute auf Mützen, Raffiabastgeweben und Oliphanten sowie als Körperschmuck zu finden. 
Ein Muster kommt niemals in zweifacher Ausführung vor, und es entstehen immer neue 
Formen von individuellem Charakter (Bassani 2000:281). In Europa wurden die Körbchen 
nicht nur in Kunstkammern gesammelt, sondern in adligen Familien auch benutzt. Das 
Stuttgarter Körbchen zeigt starke Gebrauchsspuren. Es könnte zur Aufbewahrung von 
Besteck gedient haben, bei dessen häufiger Entnahme der Rand stark in Anspruch genommen 
wurde (mündliche Mitteilung von Monika Firla und Hermann Forkl, Stuttgart). 
Körbchen mit einer Verzierung aus Meerschneckengehäusen, vermutlich Kauri schne - 
cken schalen, wie das zuletzt von Fickler erwähnte (Nr. 1839) sind in historischen Beständen 
selten. Aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist keines erhalten, die Verzierung ist jedoch auf 
rezenten Stücken zu finden. Die Beschreibung des Materials, der Herstellungs weise und des 
Musters als gestreift und rautenförmig (»leistlen« und »gewegglet«) spricht eindeutig für ein 
Körbchen aus der Kongoregion. Ein mit Meerschneckengehäusen verziertes Körbchen 
befand sich auch in der Prager Kunstkammer Rudolfs II. (Inventar von 1607–1611, zit. n. 
Bauer/Haupt 1976:25): »2 zimblich grosser korbtrühlin, vieregget, indianisch, von zartem 
pintzen-stro schwartz weiß und rot artlich von mancherley zügen geflochten unnd überal an 
orten und sonsten mit kleinen weissen meerschneggelein gestickht und gebrambt, das grösste 
ist lang 21 zoll und bey den 12 zolln brait, die andere sein was wenig kleiner«. 
Gewebe aus Raffiabastfasern 
Insgesamt 16 Raffiabastgewebe oder Palmblattfaserstoffe aus dem Königreich Kongo befan- 
den sich in der Münchner Kunstkammer. Fickler beschreibt ihr Material meist als Holz, oft 
erwähnt er das geometrische Muster. Einige waren gefranst, das letzte plüschiert: 
(246/245) Mehr 3 stückhl hülzener leinwaht, gefranßet. 
[...] 
(1647/1539) Siben Indianische lange Tebich mit leistenwerckh von schwarz, weiß und 
roter farb von Genester [= Ginster] stro geflochten. 
(1648/1540) Ein uberlengter runder hülzener Tebich, schwarz und weiß begittert und 
gestraiflet. 
(1649/1541) Ain hülzen Tischdüechlin rot und weiß, an zwayen orthen [= Seiten] gefran- 
ßet. 
(1650/1542) Ein ander dischtüechle von schwarz und rotem holz gewürcht. 
(1651/1543) Ein uberlengt rund dischtuech von weiß und schwarzen holzfäden gewürcht. 
(1652/1544) Ein langlecht viereckhet hülzin Tischtebich auf ein lange Dafl, mit einge- 
würchten figuren. 
(1653/1545) Ein viereckhet Tebich von Köstenbraunem [= kastanienbraun] gewürch, mit 
eingewürchtem zugwerckh und geleißt von weißem Pflaumgefider, alles Indianischer 
arbeit. 79
	        
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