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Volltext: Münchner Beiträge zur Völkerkunde, 2.1989

UELI BRUNNER 
Bausteine der Sabäer 
1. Überblick 
Steine nehmen in ariden Gebieten als Baumaterial eine weit wichtigere Stellung ein als in 
unseren gemäßigten Breiten. Diese Tatsache ist einerseits auf die fehlende Konkurrenz 
des Holzes mangels nutzbarem Stammholz und andererseits auf die positiven Eigenschaf­ 
ten der Steine wie Dauerhaftigkeit und gute Isolation auch bei extremer Einstrahlung 
zurückzuführen. Insbesondere in Südarabien gesellt sich ihre vorzügliche Eignung als 
massives, resistentes Material für die Verwendung in Funktionsbauten der Wasserwirt­ 
schaft hinzu. Die jemenitischen Hochkulturen wurden-sicher zu Recht-auch schon als 
hydraulische Zivilisationen bezeichnet (Wittfogel: 1956). 
Die bekannteste unter ihnen ist zweifellos die Sabäische, deren Zentrum sich in MRYB, 
dem heutigen Ma'rib befand, einem Ort am östlichen Gebirgsrand der Arabischen Repu­ 
blik Jemen. Die Geschichte von Saba hängt eng mit der Bewässerung zusammen. Seine 
Stellung vermochte es erst mit der Errichtung von festen Steinbauten bei der Wasserfas­ 
sung und -verteilung auf ein höheres, beherrschendes Niveau aufzuschwingen. Dies ge­ 
schah vermutlich bereits etwa tausend Jahre vor Christus (Brunn er 1983: 108 f. ). Der 
definitive Untergang des Reiches am Anfang des 7. Jahrhunderts n. Chr. ist noch enger 
mit der Wasserwirtschaft verflochten. Der Bruch des großen Dammes führte zur Auswan­ 
derung der Sabäer aus ihrem Stammland Ma'rib (Koran, Sure 34, Verse 15-17). 
Die nicht der Wasserwirtschaft zugehörenden sabäischen Ruinen, die bis heute erhal­ 
ten blieben und die Basis dieser Untersuchung darstellen, sind meist Prunkbauten wie 
z. B. die Stadtmauer von MRYB oder die Tempel. Das sind Bauwerke, die neben ihrer 
Funktion vor allem repräsentieren mußten und sehr dauerhaft errichtet worden waren. 
Dies verlangte aber zwingend Stein als Baustoff. Daneben sollte darauf hingewiesen 
werden, daß es sicher viele einfache Gebäude und Hütten gab, die aus weniger dauerhaf­ 
ten Materialien gebaut waren, also nur für kurze Zeit bestanden und heute kaum mehr 
nachweisbar sind. 
Die intensive geologische Strukturierung hat der Region Ma'rib einen reichen Vorrat 
an leicht zugänglichen Bausteinen in nächster Umgebung der Siedlungszentren geschenkt 
(Fig.1). Diese Vielfalt wurde von den sabäischen Baumeistern im Laufe der Geschichte 
weitgehend ausgenützt, wobei einzelne Epochen ihren bevorzugten Baustein gehabt zu 
haben scheinen. Dabei ergibt sich eine zufällige Konkordanz der Altersabfolge, indem die 
ältesten noch erhaltenen Bauten, die Tempel von Masägid und Samsara aus dem ältesten 
Gestein, den Schiefern und Gneisen des Präkambriums (Erdurzeit) erstellt worden waren, 
die im Mesozoikum (Erdmittelalter) gebildeten Kalke wurden vor allem während der 
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