244 Katesa Schlosser:
Abb. 6. Hirsespeicher, Typ a.
durch, weil diese Nachahmung der europäischen Bauweise als Zeichen des
Fortschritts, oft auch des Christentums gilt.
In mehreren Gehöften schließt sich an jeweils eine Wohnhütte wie bei
den Tswana-Gehóften ein viereckiger bzw. achteckiger Vorhof, ,lapa", an.
Dieser ist mit einem etwa 1 m bis 1,20 m hohen, sauber aufgeführten Lehm-
máuerchen umgeben, das guten Windschutz fürs Kochen bietet. (Bei den
Tswana wechselt die Höhe dieses Mäuerchens außerordentlich.) Dieser Vorhof
ist bei den Tswana der Hauptaufenthaltsort der Familie. Die sie umgebenden
Mäuerchen werden in der gleichen Technik ausgeführt wie die Wände der
Hütten (Abb. 5).
Die Speicherformen sind bei den Tswana sehr vielgestaltig. Die
Hirsespeicher in der Siedlung des Alfious dagegen sind nach nur zwei Sche-
mata gebaut, die aber auch von den Tswana entlehnt sind. Der Boden der
Speicher ruht nie auf dem Erdreich, sondern stets auf einem Kranz großer
Feldsteine.
‚Die Speicherform a ähnelt flüchtig den runden Wohnhütten, da sie wie
diese ein von einem Pfahlkranz getragenes Dach besitzt, das über die Lehm-
mauer vorragt. Die Mauer ruht aber nicht auf dem Boden, sondern auf einem mit
Lehm verschmierten Knüppelboden, der dem Kranz großer Feldsteine aufliegt.
Die Rundmauer hat keine Tür, sondern nur ein hochgelegenes Fenster, durch
das die Vorräte entnommen werden. Es wird mit einem Bretterladen ver-
schlossen (Abb. 6).
Die Speicherform b unterscheidet sich von a durch eine andere Konstruk-
tion des Daches. Auch hier wird die Lehmmauer von einem auf Feldsteinen
aufliegenden Knüppelboden aus hochgeführt. Dem oberen Mauerrand wird ein
Knüppelgerüst aufgelegt, das ein flaches Spitzdach trägt (Abb. 7, hinten). Alle
Dächer sind mit Gras gedeckt. Das Herbeiholen des Grases geschieht durch
Männer und Frauen. Die Befestigung des Grases auf dem Dachgerüst dagegen
ist speziell Frauenarbeit. Wellblechdächer gibt es in der Siedlung weder bei
Wohnhäusern noch bei Speichern.
Heiratet ein Sohn, so wird, nach Alfious, für ihn und seine Frau eine Hütte
im Gehöft seines Vaters errichtet. Auch für die heranwachsenden Kinder wird