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Volltext: Globus, 51.1887

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Cecchi's Reisewerk: Von Zeila bis an die Grenzen von Kaffa. 
ihren Pferden Kraft und Ansdauer, ihren Kühen reichliche 
Milch zu geben u. s. w.; gelegentlich kam auch wohl einer, 
der ein Mittel verlangte, durch das er einem Feinde irgend 
einen Schaden anthun wollte. 
Die klimatischen Verhältnisse des Soddolandes, das eine 
durchschnittliche Erhebung von 2500 m über dem Meere 
hat, scheinen im Großen und Ganzen mit denen des Hoch 
landes von Schoa übereinzustimmen. Wie dort, beginnt 
auch hier die Regenzeit um die Mitte des Juni und dauert 
bis zum September. Die mittlere Tagestemperatur beträgt 
in dieser Periode ungefähr 18° C.; der vorherrschende Wind 
ist ein mäßiger SW. Beim Aufgange der Sonne sind 
sämmtliche Gipfel der umliegenden Berge von einem dichten 
Nebel verhüllt, der sich häufig senkt und das ganze Land 
mehrere Stunden lang in einer Weise bedeckt, daß man 
sich an die Küste des Kanal la Manche versetzt glauben 
könnte. Gegen vier Uhr Nachmittags beginnt regelmäßig 
der von Gewittererscheinungen begleitetes Platzregen, der bis 
gegen sieben Uhr anhält; meist klärt sich bei vollkommen 
stiller Luft der Himmel dann auf, oft aber geht auch der 
starke Regen in einen feinen, durchdringenden über, der 
manchmal bis zum Sonnenaufgang anhält. 
Wenige Tagemärsche brachten die Reisenden von Toli 
bis Hoho, an der Grenze des Soddogebietes, wo der West 
rand des Hochlandes zu einem breiten, vollständig unbe 
wohnten und wüsten Thäte abfällt, welches das sogenannte 
rnogga, d. h. das neutrale Gebiet zwischen den hier an 
einander grenzenden Ländern der Soddo-, Metscha-, Betscho- 
und Ketschn-Galla und zugleich, wie eben jedes moggá, 
das Schlachtfeld bildet, auf dem diese Nachbarn sich zu be 
kämpfen pflegen. Hatte von Toli bis hierher das Land, 
durch welches der Weg führte, fast überall einem großen, von 
herrlichen Baumpartien durchsetzten Garten geglichen, so ge 
langte man jetzt, nach SW vorschreitend, in ein von dornigem 
Gestrüpp und Schlingpflanzen verwobenes Walddickicht, 
das sich in westlicher Richtung meilenweit hin erstrecken und 
von zahlreichen Löwen, Leoparden, Elephanten, Büffeln u. s. w. 
bevölkert sein soll. Auf schmalem, oft verwachsenem Pfade, 
bei strömendem Regen, gelangte man glücklich an die Grenze 
des kleinen Reiches Kabjena, dessen Beherrscher, Imam 
Omar Balsa, der Expedition eine gute Aufnahme in seinem 
Lande und Schutz für die Weiterreise zugesagt hatte. 
Von den Söhnen des Imam in einem unweit der 
Grenze gelegenen Dorfe empfangen, passirte die Karawane 
zunächst ans einer zwischen Bäumstämmen künstlich ange 
brachten Brücke den 40 m breiten Haiti, einen Nebenfluß 
des mächtigen, bisher noch auf keiner Karte verzeichnet 
gewesenen Gibjs. In wenigen Stunden erreichte man 
dann Mod scher, die unter 8° 17' 39" nördl. Br. und 
3?o 53' 5" östl. L., in einer Höhe von 2165 in über dem 
Meere belegene Haupt- und Residenzstadt des kaum 360 
Quadratkilometer großen Reiches. Es war am 23. Juli, 
und die Reisenden rechneten bestimmt darauf, noch vor Ende 
des Monats ihren Weg nach Kaffa fortsetzen zu können. 
Leider aber machten sie diese Rechnung ohne ihren ränke 
vollen Wirth, den Imam, der sie durch tausend Betrügereien 
bis zum 30. September festzuhalten und eines großen 
Theils ihrer Habe zu berauben wußte. Es würde zu weit 
führen, hier das ganze Jntriguenspiel, unter dem die Reisen 
den in jeder Weise zu leiden hatten, und das auch wieder 
nichts anderes bezweckte, als sie zur Herausgabe ihrer letzten 
Gewehre zu zwingen, eingehend schildern zu wollen. Unter 
dem Vorwände, ihnen die Erlaubniß der Könige von 
Dschimma nnd Limmn zum Passiren ihrer Reiche auswirken 
zu wollen, hielt dieser abenteuerliche Miniaturdespot die 
Reisenden in seinem Lande fest, bald ihnen schmeichelnd, wie 
geehrten Gästen, bald sie in vollster Ungnade wie Gefangene 
behandelnd; daß er dabei nicht ohne Erfolg beständig be 
müht war, ihre Leute gegen sie aufzuhetzen, komplicirte die 
Sache noch in besonders unangenehmer Weise. 
Das trotz seiner Kleinheit mächtige Reich Kabjena 
war zur Zeit der Anwesenheit der italienischen Expedition 
noch eine verhältnißmüßig neue Schöpfung. Kaum 10 
oder 12 Jahre war es damals her, daß der heutige Imam, 
ein Guraghs vom Stamme der Tschaha, nach einem miß 
glückten Versuche, sich durch Gewalt zum Oberhaupte dieses 
Stammes zu machen, aus seiner Heimath fliehen mußte. 
Von einigen Parteigängern begleitet, ließ er sich in dem 
damals noch unbewohnten Waldgebiete des heutigen Kabjena 
nieder und begann von hieraus mit den benachbarten Stämmen 
Handel zu treiben. Der Ort, den er als Markt gewählt hatte, 
das jetzige Modschür, mußteeine für den Verkehr trefflich ge 
eignete Lage haben. Die Kolonie kam bald ins Gedeihen, 
und es währte auch nicht lange, so vermehrten sich die Unter 
thanen ihres Begründers durch Abenteurer aller Art, ent 
laufene Sklaven und Verbrecher, die von allen Seiten hier 
zusammenströmten. Um sich für den besonders einträglichen 
Handelsverkehr mit den Königreichen Dschimma und Limmu 
gewisse Erleichterungen zu verschaffen , nahm er schon im 
nächsten Jahre die mohammedanische Religion an, verlangte 
von allen seinen Unterthanen, daß sie seinem Beispiele 
folgten, und herrschte seitdem unter dem Namen Omar 
Baksa als zugleich geistlicher und weltlicher Fürst über 
Kabjena. Durch arabische Händler in den Besitz einiger 
Feuerwaffen gelangt, unternahm er dann mit einer kleinen 
Schaar von Reitern und Bewaffneten mehrere erfolgreiche 
Streifzüge durch die Gebiete einiger benachbarter Stämme, 
aus denen er neben dem Rufe großer Tapferkeit auch eine 
außerordentlich reiche Beute heimbrachte. Der Sklaven 
handel, der damals, wie heute noch, in Modschär blühte, 
vergrößerte seinen Reichthum. Zu jener Zeit ließ er die 
geräumigen Hütten errichten, die, mit dem pomphaften 
Namen Moscheen belegt, zu jeder Tages- und Nachtzeit 
ganze Schaaren von Gläubigen in sich vereinten, welche ab 
wechselnd aßen, tranken, schliefen, Loblieder für Allah und 
seinen Propheten sangen und ihr Geheul mit Trommel 
schlag begleiteten. Alle Knaben von sechs oder sieben Jahren 
an mußten in bestimmten Moscheen im Schreiben unter 
richtet werden und den Koran auswendig lernen. Die 
Lehrer, die Omar Baksa hierfür anstellte, waren meist 
arabische Kaufleute, doch befand sich, während Cecchi's An 
wesenheit in Kabjena, auch ein Asar unter ihnen. 
Diese Glanzzeit der vollständigen Unabhängigkeit des 
kleinen Reiches währte nicht lange. Die häufigen Streif 
züge der Schoaner gegen die Galla dehnten sich gelegentlich 
bis an die Grenzen von Kabjena aus. Dadurch beunruhigt 
und bedroht, beeilte sich Omar Baksa, sich als getreuen 
Vasallen des Königs von Schoa zu erklären und seinen 
reichen Tribut selbst nach Litsche zu bringen. Der dabei ge 
machte Vorschlag eines gemeinsamen Raubzuges in das reiche 
Land der Guraghs fand bei Menilek die beste Aufnahme; im 
folgenden Jahre, 1876, verwüstete ein ungeheures schoa- 
nisches Heer, von Omar Baksa angeführt, jenes blühende 
Land. Tausende der Bewohner wurden niedergemetzelt, 
Tausende als Sklaven fortgeführt; die wenigen, die zurück- 
bliebcn, sahen sich aller ihrer Habe beraubt inmitten einer 
Wüste. 
Die Stadt Modschsr besteht heute aus einigen Hundert 
geräumigen Hütten, deren jede von einer ausgedehnten Ba- 
nanenpflanzuug und einem Stück gartenartig bebauten 
Landes umgeben ist, auf dem allerhand Gemüse, namentlich 
eine Art hochwachsendcn Kohles, gezogen wird. In der
	        
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